25Feb
2007

Fischgraete auf Speckbauch

Vor 30 Jahren war ein Tattoo eine Taetovierung und solch eine Zierde bevorzugt bei Seeleuten oder Zeitgenossen, die hin und wieder in Haftanstalten logierten, anzutreffen. Damals reinigte man das Auto noch in der Autowaschstrasse und nicht im Super-Wash. Aber Zeiten, Begriffe und Moden aendern sich ja staendig, was prinzipiell auch gut so ist. Tattoos haben sich mittlerweile geradezu als Dauermode etabliert. Die letzten Jahre hat die Zahl der Tattoos, die hier am Strand in ihrer (fast) vollen Pracht zu bewundern sind, deutlich zu genommen. Dieser Koerperschmuck ist quer durch alle Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern gleichverteilt. Als Nicht-Tattoo-Traeger rueckt man zunehmend an die Raender der Gauss-Glocke.

Eigentlich eine hoch logische Entwicklung. Ist es doch eine markante Eigenschaft von Mode, zwei geradezu antagonistische Beduerfnisse zu befriedgen, Zugehoerigkeit (zur Mehrheit) und individuelle Abgrenzung. Ich bin “in”, ich bin dabei, weil ich modisch bin. Ich bin besonders, bin eigen, da ich in der von der Gruppe akzeptierten Bandbreite, eine individuelle Form waehle. So betrachtet bietet das Tattoo als Massenerscheinung eine hochgradige Individualisierungsmoeglichkeit.

Andererseits eine sehr seltsame Entwicklung. Wenn man von der Hypothese ausgeht, dass sich schmuecken dem Verschoenern dient, so stellen die meisten Tattoos nicht gerade eine aesthetischen Zugewinn dar (ich weiss, sicherlich eine sehr subjective Sichtweise). Klar, es gibt jene Koerper, an denen ein Ornament auf der Schulter, am Oberarm, am Gesaessansatz oder wo auch immer sehr gut aussehen. Meistens Koerper, die ohnehin schon recht wohl geformt sind, an denen ein Tattoo den vorhandenen Reiz noch etwas betont (solange die Fitness aufrecht erhalten wird). Aber die meisten Tattoos zeichnen sich weder durch besonders orginelle Motive noch durch virtuose Realisierung aus. Da steht meistens die Leinwand aus rein technischen Gruenden im Weg. Gewoelbte, gefaltete oder verbrannte Hautflaechen sind nicht gerade der geeignete Grund fuer filigrane Zeichnungen.

Und so scheint mir manches Tattoo zwar auffallend, aber ich frage mich doch, ob sein Besitzer sich dadurch nun wirklich als attraktiver empfindet. Da ist beispielsweise dieser Mitdreissiger. Irgendwo so etwas ueber Einssiebzig, kraeftige Oberarme, natuerlich rundum bebildert. Ansonsten wie bei vielen Maennern hier und da ein paar Pfund zu viel, insbesondere das, was gemeinhin als Bierbaeuchlein bezeichnet. Auch auf dieser Anhoehe findet sich naturlich ein Tattoo, ein skelettierter Fisch. Ich muss mir dieses gelungene Werk immer wieder anschauen und frage mich, welche Frau steht wohl auf "Fischgraete auf Speckbauch". Aber vielleicht ist der Kerl auch schwul. Diese Insel ist ja bei Homosexuellen recht beliebt. Ich versuche mir also vorzustellen, schwul zu sein, was allerdings schon im Ansatz misslingt und gebe es dann doch auf, den aesthetischen Wert der Fischgraete zu erfassen. Vielleicht sollte ich es einfach lassen, ueber Tattoos nachzudenken. Irgendwie ist das wohl nicht ganz mein Ding.

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rosmarin - 25. Feb, 14:46

himmel.... so ne fischgräte ist wirklich schauderlich.... allerdings sah die rose auf meinem bauch auch schon mal frischer aus... feix....
vor allem aber frage ich mich, wo sie grad mal wieder stecken herr logma(h)l

40plusX - 26. Feb, 09:21

Immer wieder dasselbe, wie so oller Spiesser, noch auf Ko Samui, naja, klingt besser als Wohnwagen an der ostfriesischen Kueste und hier laufen eh eine Menge Wiederholungstaeter rum. Morgen geht es zurueck. Auch OK. Hoffe sehr auf Fensterplatz und wolkenfreies Afghanistan. Sieht naemlich gut aus von oben. Will aber keine Notlandung dort. Stell' ich mir echt stressig vor. Und in Frankfurt soll es regnen. Brr. Naja, vielleicht Motivation genug, ein paar der letzten Notizen hier noch unter zu bringen.
ElsaLaska - 25. Feb, 23:59

Es ist vielleicht so eine Art memento mori, um ans Fasten zu denken, diese Gräte.
Ich hatte es neulich mit einem Ethnologen darüber, über den Tattoo-Wahn und wir stellen fest, dass sich merkwürdigerweise das "Branding", das zusammen mit dem Piercing aufkam - in den Neunzigern wurde in Piercingstudios auch "gebrandet", nicht durchgesetzt hat.

svashtara - 26. Feb, 00:49

Das Blöde an diesen Tatoos ist ja

eigentlich nur, dass man sie nie wieder loswird. Was aber, wenn es mir nach Jahren dann doch nicht mehr gefällt? Problem!
Branding? Fürchterlich!!!
Piercing?
Meine Ohrläppchen sind auch gepierct. Nannte man damals aber anders :-)

40plusX - 26. Feb, 09:23

Das ist fuer mich ...

... das groesste Raetsel an diesen Tattoos. Warum so viele Leute etwas tun, was man dann einfach nicht mehr los wird. Ich fuehle mich mit so einem Hintertuerchen normaler Weise deutlich wohler.
rosmarin - 26. Feb, 17:38

jajajaja bei hintertürchen bin ich dabei. ich finde es auch ganz grottendoof, wenn man in einer situation keine hintertür hat. genau so wie hintertüren liebe ich allerdings die tür meines briefkastens, die ganz selten aber dann umso freudiger mal keine rechnung herauslässt, sondern karten.... WOW
svashtara - 27. Feb, 21:09

Na ja,

ich glaube, es liegt daran, dass es ganz schön nervig wäre, sich das Tattoo jeden Tag neu mit Edding aufmalen zu müssen... :-))
SnapHappy (Gast) - 28. Feb, 17:49

Möglicherweise

deutet die Fischgräte auf Speckbauch ja an, was sich IN jenem Speckbauch befindet??? Ein Fischliebhaber also wohl? Vielleicht als zarter Hinweis, dass man ihn gerne mal zum Fischessen einladen darf? Oder sein Berufsstand? Wer weiss.

Ansonsten ist es ja heute so, dass "IN" ist wer nicht "markiert" ist. Hihi :-)
Da wird dann wohl bald der grooße Run auf die Tattoo-entfernungs-Studios beginnen. Ich mach mal schnell eins auf und verdien mir ne goldene Nase.

zuckerwattewolkenmond - 2. Mrz, 00:01

An meine Haut lasse ich nur Wasser und .....
Jedenfalls finde ich Tattoos in den seltensten Fällen apart, und wenn, dann auch nur auf jungen knackigen Körpern.

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