Daily Notes

28Feb
2007

Tomatenstrunk-Entferner

Auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geburtstagsgeschenk schlendere ich durch die Haushaltswarenabteilungen örtlicher Großkaufhäuser. Ich mache das ganz gerne. Mein Faible für hochwertige Küchenwerkzeuge veranlasst mitunter gewisse Mitbewohner zu nicht immer sachgerechten Lästereien. Sicherlich, von meinen fünf wunderschönen Schneebesen kommen in der Regel nur zwei regelmäßig zum Einsatz, aber der Pizzaschneider wird eindeutig von anderen Haushaltsmitgliedern bevorzugt verwendet. Prinzipiell bin ich jedenfalls der Meinung, dass man auf Streifzügen durch Haushaltswarenregale mitunter ganz interessante Dinge finden kann.

So auch heute. Ich finde zwar nicht diesen Weinflaschenverschluss, den sich ein lieber Freund gewünscht hat. Stattdessen stehe ich plötzlich vor einem jener Konsumgüter, deren Existenz ich mir nicht vorstellen könnte, hätte ich ihn nicht in meinen Händen gehalten. Ein Tomatenstrunk-Entferner! Welch wunderbar sachliche Objektbeschreibung. Geradezu eine semantische Entdeckung. Das muss man einfach einmal laut ausgesprochen haben, so in aller Ruhe, Tomatenstrunk-Entferner. Nachfrage hierfür scheint es jedenfalls zu geben. Vier Exemplare sind im Regal bevorratet und etwas später finde ich dieses wunderbare Werkzeug auch in einem zweiten Geschäft.

Der praktische Wert überzeugt mich allerdings nicht. Ich glaube mit einem guten und scharfen Gemüsemesser lässt sich der Tomatenstrunk wesentlich sauberer und einfacher entfernen. Einen Tomatenstrunk-Entferner brauche ich definitiv nicht. Auch nicht die Fischgräten-Pinzette, die ich im selben Regal noch finde. Stattdessen bewundere ich noch die professionelle Fissler Servierpfanne mit Deckel. So ein Teil hat sich bei der letzten Trennung von mir verabschiedet. Seitdem überlege ich hin und wieder, ob ich nicht Ersatz schaffen sollte. Aber auch heute bin ich nicht davon überzeugt, dass ein dreistelliger Eurobetrag eine angemessene Investition bei zweimalig jährlich Gebrauch ist. Die Pfanne bleibt also auch im Konsumtempel. Und langsam frage ich mich, warum ich jetzt schon fast eine Stunde durch diese dämlichen Kaufhäuser irre.

Den Weinflaschenverschluss finde ich letztendlich in einem kleinen Laden. Einfach hineingegangen, den netten Verkäufer gefragt. Der holt ihn aus dem Regal. Der Preis überrascht mich auch noch positiv. Gesehen, gekauft und fertig in drei Minuten.

25Feb
2007

Fischgraete auf Speckbauch

Vor 30 Jahren war ein Tattoo eine Taetovierung und solch eine Zierde bevorzugt bei Seeleuten oder Zeitgenossen, die hin und wieder in Haftanstalten logierten, anzutreffen. Damals reinigte man das Auto noch in der Autowaschstrasse und nicht im Super-Wash. Aber Zeiten, Begriffe und Moden aendern sich ja staendig, was prinzipiell auch gut so ist. Tattoos haben sich mittlerweile geradezu als Dauermode etabliert. Die letzten Jahre hat die Zahl der Tattoos, die hier am Strand in ihrer (fast) vollen Pracht zu bewundern sind, deutlich zu genommen. Dieser Koerperschmuck ist quer durch alle Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern gleichverteilt. Als Nicht-Tattoo-Traeger rueckt man zunehmend an die Raender der Gauss-Glocke.

Eigentlich eine hoch logische Entwicklung. Ist es doch eine markante Eigenschaft von Mode, zwei geradezu antagonistische Beduerfnisse zu befriedgen, Zugehoerigkeit (zur Mehrheit) und individuelle Abgrenzung. Ich bin “in”, ich bin dabei, weil ich modisch bin. Ich bin besonders, bin eigen, da ich in der von der Gruppe akzeptierten Bandbreite, eine individuelle Form waehle. So betrachtet bietet das Tattoo als Massenerscheinung eine hochgradige Individualisierungsmoeglichkeit.

Andererseits eine sehr seltsame Entwicklung. Wenn man von der Hypothese ausgeht, dass sich schmuecken dem Verschoenern dient, so stellen die meisten Tattoos nicht gerade eine aesthetischen Zugewinn dar (ich weiss, sicherlich eine sehr subjective Sichtweise). Klar, es gibt jene Koerper, an denen ein Ornament auf der Schulter, am Oberarm, am Gesaessansatz oder wo auch immer sehr gut aussehen. Meistens Koerper, die ohnehin schon recht wohl geformt sind, an denen ein Tattoo den vorhandenen Reiz noch etwas betont (solange die Fitness aufrecht erhalten wird). Aber die meisten Tattoos zeichnen sich weder durch besonders orginelle Motive noch durch virtuose Realisierung aus. Da steht meistens die Leinwand aus rein technischen Gruenden im Weg. Gewoelbte, gefaltete oder verbrannte Hautflaechen sind nicht gerade der geeignete Grund fuer filigrane Zeichnungen.

Und so scheint mir manches Tattoo zwar auffallend, aber ich frage mich doch, ob sein Besitzer sich dadurch nun wirklich als attraktiver empfindet. Da ist beispielsweise dieser Mitdreissiger. Irgendwo so etwas ueber Einssiebzig, kraeftige Oberarme, natuerlich rundum bebildert. Ansonsten wie bei vielen Maennern hier und da ein paar Pfund zu viel, insbesondere das, was gemeinhin als Bierbaeuchlein bezeichnet. Auch auf dieser Anhoehe findet sich naturlich ein Tattoo, ein skelettierter Fisch. Ich muss mir dieses gelungene Werk immer wieder anschauen und frage mich, welche Frau steht wohl auf "Fischgraete auf Speckbauch". Aber vielleicht ist der Kerl auch schwul. Diese Insel ist ja bei Homosexuellen recht beliebt. Ich versuche mir also vorzustellen, schwul zu sein, was allerdings schon im Ansatz misslingt und gebe es dann doch auf, den aesthetischen Wert der Fischgraete zu erfassen. Vielleicht sollte ich es einfach lassen, ueber Tattoos nachzudenken. Irgendwie ist das wohl nicht ganz mein Ding.

18Feb
2007

Schreiblosigkeit

Ein Wort, was mir gefällt, ein der Zustand, der nicht so ganz behagt. Und jetzt der zweite, dritte, vierte Versuch, Schreiblosigkeit zu ueberlisten. An der Zeit liegt es nicht, jedenfalls derzeit nicht. Paart sich doch seit einigen Tagen die Schreiblosigkeit mit der Zeitlosigkeit. Der Tag wird wie im Altenheim durch drei Mahlzeiten strukturiert und sonst nichts. Uhrzeit, Wochentage, selbst Jahreszeiten scheine aufgehoben. Alles ist gehuellt in irgendwo ueber 30 Grad, in sanfte oder staerkere Winde, in Seeluft, in den tuerkisen Schimmer des Meeres und das Weiss des Strandes. Lethargisch verfolgen an den Ecken Strassenkoeder die Syenerie. Selbst kleffen scheint ihnen yu anstrengend.

Schreiblosigkeit ins nicht Wortlosigkeit. Die Woerter sind gegenwaertig, sind auf der Lauer, tanyen ihren Tanz, mit dem sie Saetye und Absaetye bilden wollen. Sie tanyen durch die benachbarten Gassen, durchs Bahnhofskiosk, durch Flieger und Transferareas, durch tages- und Wochenpresse. Sie schaffe Fragmente, die sich Sammeln, im Stammhirn, auf Zetteln, Memorysticks und einem halben dutyend Festplatten. Der Blogger wird so yum Sammler Unvollendetem, aber das war er wohl schon immer, Sammler und irgendwie Unvollendet.

Und nun? Altes aufgreifen? Neues beginnen? Und einfach einmal nicht denken, schlicht schreiben, nicht lange Worte puzzeln und arrangieren, einfach fliessen lassen. Ja, vielleicht so, vielleicht auch nicht. Schaun wir mal, pflegen die Kaiserlichen in solchen Fällen zu floskeln.

1Feb
2007

WM Fieber

Der ICE hat das Stadtgebiet von Köln erreicht. Auf diesen letzten Kilometern rollt er jetzt ganz ruhig und gleichmäßig. Ich schaue aus dem Fenster, wie ich immer aus dem Fenster schaue, wenn ich durch Städte fahre, um Bekanntes zu entdecken. Jetzt ist der Bogen über der Köln Arena - Ziel des heutigen Ausflugs - und der Dom sehen. Mein Blick ist nur noch auf diese beiden Fixpunkte gerichtet. Der Zug fährt direkt an der Arena vorbei, vor der sich schon Gruppen mit schwarz-rot-goldenen Utensilien sammeln. Ein paar Minuten später stehe vor dem Dom und schaue hinauf in seine Höhen. Er ja ist soooo groß, dieser Dom. Mich fasziniert dieses Bauwerk jedes Mal auf’s Neue. Ein echter Hingucker.

Kleine Gruppen mit Fahnen, Schals und teilweise fantasievollen Kopfbedeckungen bewegen sich über die Domplatte. Und an einigen Autos sind jetzt wieder Deutschlandflaggen montiert. Nicht diese Massen wie bei der Fußball WM vor ein paar Monaten, aber genügend um noch einmal einen Hauch der Sommermärchen Atmosphäre zu atmen. Der Weg führt über die Rheinbrücke Richtung Deutz. Ich gehe gern über Rheinbrücken. Dieser Fluss ist wie der Dom ein Anblick, an dem ich mich nicht satt sehen kann. Und ich gehe besonders gern über diese Rheinbrücke, die wegen der ständig querenden Züge permanent am vibrieren ist.

Je näher die Arena kommt desto mehr Fankolonnen sammeln sich auf den Weg. Das innere Kribbeln steigert sich Schritt für Schritt. Trotz des Andrangs gibt es aber kein Gedränge an den großzügigen Eingangsbereichen. Ich will noch die PET Einwegflasche entsorgen, um mich nicht wieder mit einem der Ordner zu streiten, da sehe ich einen Mann, der die Abfallkörbe nach Verwertbaren durchsucht. Etwas beklommen gebe ich ihm die Pfandflasche. Er bedankt sich sehr freundlich. Solche Szenen berühren und bleiben im Gedächtnis und ich frage mich, ob ich ihm nicht noch zwei oder drei Euro hätte geben sollen.
WM07-01
Jetzt gilt es erstmal, die Arena von Innen zu entdecken. Ich kenne viele der großen Hallen in Deutschland, die Color Line Arena und die SAP Arena, die Olympiahalle und die Westfallenhalle, aber in der Köln Arena bin ich seltsamer Weise zum ersten Mal. Und hier ist Alles noch etwas größer, die Ränge türmen sich noch höher auf, es gibt mehr Imbissstände und Stände voller Fanartikel und mehr Pissoirs. Ich umrunde einmal den Innenraum und sammele aus allen Winkeln Eindrücke. Ich kaufe zwei WM T-Shirts. Die Deutschlandfähnchen werden umsonst verteilt, offensichtlich Restbestände des Kölner Express von der FIFA-WM, die jetzt gut zu gebrauchen sind. Der Tatort ist also inspiziert und die Ausrüstung stimmt auch, heute bin ich ganz profan Fan. Es kann losgehen.

Zur Vorspeise bitten Spanien und Kroatien, ein Gericht, das ich bei der Planung dieses Tages als Hauptgang erwartet hätte und jetzt nur die Rolle des schmackhaften Appetitanregers übernimmt. Einmal Ivano Balic bei einem „echten“ Spiel live zu sehen, lässt das Fanherz höher schlagen. Die Befürchtung, die Kroaten lassen es bei so einem einfachen Plazierungsspiel arg lau angehen, werden nicht bestätigt. Gespielt wird sehr fair und sicherlich nicht mit der letzten Härte, aber auch engagiert und Balic liefert einen Galaauftritt ab. Am Ende der Partie ist die Halle zu zwei Dritteln gefüllt und obwohl das Halbfinale erst in einer Stunde angepfiffen wird, scheint jetzt schon die Spannung die ganze Halle vibrieren zu lassen.
WM07-02a
Ich hole noch einmal Getränke und etwas Stärkung in Form einer riesigen Tüte Pommes. Zu Zweit schaffen wir es gerade so, diese Monsterportion zu verzerren und ahnen noch nicht, dass durch Klatschen, Schreien und Trappeln zwei Stunden später dieser Kalorienschock vollständig verbrannt sein wird. Die Franzosen kommen zuerst. Kurz darauf kündigt der Hallensprecher die deutsche Mannschaft an. Fast alle Plätze sind jetzt besetzt, lediglich auf der Haupttribüne sind noch Lücken zu erkennen. Die Jungs laufen ein und ein erster Jubelsturm fegt durch die Halle, die Ränge lösen sich in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer auf. Selbst das halbstündige Aufwärmen wird von einer Stimmung begleitet wie sie sonst nur bei absoluten Topspielen anzutreffen ist.

Das Spiel selbst ist an Klasse und Spannung nicht zu überbieten. Ein Klassiker wird hier inszeniert, der wahrscheinlich auch noch in dreißig Jahren gern aus den Bildarchiven geholt wird. Defensive ist Trumpf, auf beiden Seiten und keiner Mannschaft gelingt es, mehr als zwei Tore Vorsprung ausspielen. Ein ohrenbetäubendes Seufzen aus 19.000 Kehlen, wenn Zeitz oder Hens erneut über das Tor werfen, ein noch lauter Jubel, wenn der Fritze ein Geschoss von Karabatic oder Narcisse abwehren kann. 12:10 führt Frankreich drei Sekunden vor dem Pausenpfiff und Kehrmann verwandelt einen Freiwurf direkt zum 12:11. Total verrückt, ein direktes Freiwurfttor, beim Handball! Also nur ein Tor Rückstand.

Spätestens ab Beginn der zweiten Halbzeit sitzt auf den Tribünen niemand mehr. 12:12, 12:13, 13:13, 13:14, 14:14, 14:15, 15:15, 15:17, 18:17, 18:18, 19:18, 19:19 und dann 20:19 Führung in der 58. Minuten, dann wieder Ausgleich der Franzosen. 59. Minute, Hens ist so frei, wie im ganzen Spiel noch nicht, haut den Ball aus sechs Metern mit unglaublicher Wucht auf das Tor und Omeyer wehrt mit einem noch unglaublicheren Reflex ab. Im Gegenzug dann die 21:20 Führung für Frankreich. Noch 50 Sekunden Spielzeit zeigt die Uhr. Die Deutschen spielen schnelle Wechsel vor der französischen Abwehr, aber es gibt keine Lücke. 15 Sekunden vor Schluß geht Markus Baur Eins-zu-Eins, eigentlich ist da kein Platz und doch kommt er durch, Ausgleich 21:21. Schnelle Mitte der Franzosen, aber die Jungs sind schnell genug zurück gelaufen, um die Abwehrformation einzunehmen, deswegen nur noch ein Hüftwurf von Karabatic aus den Rückraum. Fritz hält. Verlängerung.
WM07-04
Das ununterbrochene Klatschen, Schreien und Trampeln der über 19000 Zuschauer lässt die Halle geradezu erbeben. Die Verlängerung knüpft nahtlos an das bisherige Spiel an. Abwechselnde Führung und 10 Spielminuten später steht es dann 27:27. Noch eine Verlängerung. 29:29 in der Halbzeit der zweiten Verlängerung. Frankreich geht mit 30:29 in Führung, Zeitspiel wird gegen den deutschen Angriff angezeigt. Glandorf gibt einen ansatzlosen Schlagwurf ab und der Ball wird in die lange Ecke katapultiert. Ausgleich. Zwei Aktionen von Kaufmann und Deutschland geht plötzlich mit 32:31 in Führung, ist aber in Unterzahl, noch 30 Sekunden bis zum Siebenmeterwerfen. Die 30 Spielsekunden dauern minutenlang, da im 5-Sekundentakt die Spielzeit angehalten wird. Die Franzosen spielen einen Fehlpass, wechseln den Torhüter gegen einen Feldspieler, sie erobern den Ball zurück, der Ball ist im deutschen Tor, aber das Spiel war vorher unterbrochen, noch 4 Sekunden, ein Wurf aus dem Rückraum von Narcisse, Fritz hält, aus, kein Siebenmeterwerfen. F-ii-n-ah-l-eee singen immer und immer wieder über 19.000 Stimmen.
WM07-06
WM07-05
Die Halle steht auf den Kopf. Keiner geht, kein Zuschauer, keiner der deutschen Spieler. Noch eine halbe Stunde nach dem Ende sind die Ränge lückenlos gefüllt. Die Spieler jubeln, tanzen, winken und singen unten auf dem Parkett und die Zuschauermasse feiert, jubelt, tanzt und singt. Nachdem sich die Feier dann auflöst, ist vor der Arena ein Hupkonzert zu hören. Jetzt gibt es tatsächlich noch einen Autokorso. In meinen Ohren hallt der Jubel nach. Es ist mittlerweile Dunkel und das Wetter diesig. Beim Gang über die Rheinbrücke kommt der Dom ganz langsam aus den Dunst zum Vorschein. Ein bizarres Bild, das sich mit den Gesängen vermengt. Der Dom singt, so ein Tag … .
WM07-07
Und jetzt sitzt die ganze Familie zu Hause und wartet voller Aufregung auf den Sonntag. Dann gibt es nämlich noch einen Ausflug nach Köln.
WM07-08

22Nov
2006

Der Teufel trägt Prada

Ein Frauenfilm? Es gibt viel Mode zu bewundern und eine ordentliche Portion Gefühle wird auch geboten. Es wird schon einen Grund haben, dass der Film für eine Ladiesnight ausgesucht wurde. Ein Männerfilm? Es gibt schöne Frauen zu erblicken und ein Happen Emotion kann auch der Männerseele gut tun. Ein Film für Frauen und Männer? Meryl Streeps Mimenspiel in Großaufnahme auf zig Quadratmetern Leinwand ist einfach Kino vom Feinsten. Und die Straßenszenen aus New York und Paris sind geschlechtsunabhängig geeignet, die Reiselust zu beflügeln. Seichte Unterhaltung? Ein wenig ein modernes Märchen im Ambiente der großen Modewelt, das von unser meister Alltag weit entfernt ist. Langweilig wird es nicht in den knapp zwei Kinostunden, die ihren gewünschten Beitrag an Ablenkung und Entspannung leisten. Politische oder sozialkritische Sichtweisen sind in einem solchen Film natürlich nicht zu finden. Und ein gehobener künstlerischer Anspruch hat den Regisseur offensichtlich auch nicht getrieben. Hinter der fernen, glitzernden Modeschale findet sich aber doch eine Reihe von Themen, die gar nicht so weit weg sind. Die Auseinandersetzung mit Kollegen und Vorgesetzenden verschiedenen Charakters. Die Gefangenschaft im beruflichen Ehrgeiz. Die daraus resultierenden Konflikte in der Privatsphäre.

21Nov
2006

Bühne frei für die Täter

Wieder ein spektakuläres Verbrechen, was die Schlagzeilen bestimmt. Amoklauf in der Schule. Zweifelsohne kein Thema zum Wegschauen, zweifelsohne ein Thema, das kritisch debattiert werden muss und zweifelsohne deshalb auch berechtigt Gegenstand der aktuellen Schlagzeilen. Ein Thema also dem sich unsere Medien annehmen müssen.

Dennoch, die Art und Weise, wie das Geschehene in den meisten Fällen journalistisch präsentiert wird, finde ich zunehmend erschreckend. Heute ist der 18-jährige Amokläufer von Emsdetten im Fokus. Die Tat wird ausführlich geschildert und mit vielen Bilder unterlegt. Und der Täter hat diesmal für die Redaktionen mit seinen Internetaktivitäten hervorragende Vorarbeiten geleistet. Gern wird das jetzt aufgenommen und wir werden mit Bilderserien und Videos beglückt, die diesem Irrläufer eine postmortale Bühne bieten. Vor zwei Wochen durfte ein Sexualgewalttäter sogar einen Tag lang eine uneingeschränkte Medienpräsenz genießen, weil er auf ein Dach geklettert ist, von dem er nachweislich nicht fliehen konnte. Zuvor wurde wochenlang seine perverse Tat genüsslich im Blätterwald vermarktet.

Ich frage mich, muss das in dieser Form sein? Muss wirklich eine so sensationellisierende Darstellung gewählt werden. Ist hier das Bedürfnis nach kritischer Auseinandersetzung mit den Abgründen einer Gesellschaft oder schlicht die Lust am Event und seiner Vermarktung Antrieb der Berichterstattung. Sind wir so abgestumpft, dass wir das Thema nicht aufnehmen würden, wenn es in gedämpfteren Tönen dargelegt wird? Werden womöglich gar dadurch die labilen Charaktere dieser Gesellschaft (besonders Jugendliche und Heranwachsende, aber leider auch zu viele Erwachsende) auf ungewünschte Weise angeregt?

Ich will nicht im Geringsten in Zweifel ziehen, dass die genannten Ereignisse Gegenstand der Tagesschlagzeilen sind. Im Gegenteil, solche Themen sollten nicht auf Seite 17 verbannt werden. Aber mehr Nüchternheit scheint mir gerade hier angesagt. Es geht ja auch anders. DIE ZEIT kommt bei ihrem Bericht zur Emsdetter Tat ohne Bilder aus und auch die Wortwahl ist weniger spannend als bei Spiegel-ONLINE und Anderen. Angemessen! Genauso angemessen wie das letztwöchige Dossier über Opfer von Gewaltverbrechen und ihre Rolle in den Medien. Ein angenehmer Kontrast zu dem lustvollen Vergewaltigungsjournalismus, der in den letzten Wochen geboten wurde.

13Nov
2006

Randbemerkung zur Telekom

Den Service steigern bei gleichzeitiger Senkung von Kosten und Abbau von Personal. Wie soll denn das funktionieren? Ohne die Telekom unnötig loben zu wollen, aber von der Leistung der Mitbewerber habe ich auch noch nicht Besseres mitbekommen. Es gibt vielleicht nicht ganz so viel vollkommen abstruse Dumpingangebote in Magenta, wie sie manch anderer Marktteilnehmer offeriert. Aber natürlich ist das oberste Ziel die Steigerung des Aktienkurs, als ob ein Unternehmen, dass vielleicht 10 Millionen weniger Gewinn macht, aber dafür 1000 Leuten mehr Brot und Arbeit bietet, schlecht wäre. Ich habe natürlich keine Ahnung von der großen Wirtschaftspolitik und die Arbeit von Herrn Rieke kann ich mit Sicherheit nicht beurteilen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Mann wahrscheinlich eine recht solide Arbeit gemacht hat, was leider immer weniger in den heutigen Märkten als Erfolg betrachtet wird. Dafür sorgt auch schon die professionelle journalistische Aufarbeitung. Wie schon seit zwei Tagen geradezu lustvoll nach Schlagzeilen geifernd die Indiskretionen zum anstehenden Vorstandswechsel aus dem Hause Telekom über die Ticker gejagt wurden, ist leider nur zu charakteristisch für die gegenwärtige Medienlandschaft. Sachlich und seriöse Berichterstattung ist für meinen Geschmack etwas Anderes.

12Nov
2006

Sonntägliche Gewohnheit

Sunday-Coffee
Das ist auch im November erträglich.

11Nov
2006

Winteranfang

Laut Kalender hat der Winter noch lange nicht angefangen, sondern stehen wir Mitten im Herbst. Und in Folge des milden Oktobers ist noch relativ viel Laub an den Bäumen. Wenn für kurze Momente kräftige Böen das Einheitsgrau des Himmels aufreißen und die Sonne Präsenz zeigt, sieht das sogar schön aus.
ET-1106-1
Dennoch, seit dem 1. November hat für mich definitiv der Winter begonnen, wie für mich jedes Jahr im November definitiv der Winter beginnt. Die Temperaturen sind merklich zurückgegangen und irgendein Idiot knipst viel früh abends das Licht aus. Die lichtdurstige Seele wird auf Diät gesetzt und ich spüre schlagartig, dass jetzt die Monate durchzustehen sind, in denen das Gemüt ständig gegen Schwere und Trägheit kämpfen muss. Mindestens bis Anfang März geht diese Zeit, d.h. leider ist der Winter auch die längste Jahreszeit. Als Gegenmaßnahme suche ich erstmal einen Flug, um den Temperaturen hier wenigstens für drei Wochen zu entkommen. Das ist gar nicht so einfach, insbesondere wenn man nicht mit irgendwelchen Arabern in der Wüste zwischenlanden will. Aber mit etwas Terminschieberei findet sich ein akzeptables und bezahlbares Angebot. Und die per Mail kontaktierte Thaifamilie bestätigt ein freies Bungalow im gewünschten Zeitraum. Gute Aussicht!

Pünktlich zu diesem emotionalen Winteranfang fange ich mir eine ziemlich hartnäckige Erkältung ein. Erst ein dicker Schnupfen, dazu gesellt sich ein Husten und schließlich auch noch Halsschmerzen. Vier Tage versuche ich trotzdem Business-As-Usual zu praktizieren – man muss doch nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt, nach drei Tagen wird es meistens besser -, dann finde ich mich doch im Sprechzimmer meiner Ärztin ein, die mich kurzum aus den Verkehr zieht. Mittlerweile bin ich dafür recht dankbar, merke ich doch wie Tag für Tag die Kräfte schwinden. Ein paar zusätzliche Tage zu Hause tun ganz gut, auch wenn zwischendurch das Homeoffice-Inventar kräftig genutzt werden muss. Nach drei Tagen mit Antibiotika Behandlung beruhigt sich der Hals, Schlucken fällt wieder leichter und die Geschmacksnerven werden wieder aktiv. Da wage ich es dann auch, endlich wieder die Laufschuhe zu schnüren. Vorsichtig trabe ich eine kleine Runde durch das Bugagelände und stelle fest, dass dies wieder ohne Hustenanfälle geht. Ein gutes Gefühl. Sieh an, selbst zu dieser Jahreszeit gibt es kleine Freuden.

2Nov
2006

Meine Rente?

Gestern fand ich das jährliche Informationsschreiben über meine womögliche Rente im Briefkasten. In bestem Amtsdeutsch wurde mir mitgeteilt, mit welcher Rentenzahlung ich rechnen könnte, falls es mir gelingt, in den nächsten 20 Jahren ein vergleichbares Einkommen wie in den letzten fünf Jahren zu erzielen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Wenn ich eine Inflationsrate von einem Prozent für die nächste Jahre ansetze, dann bleiben mir als Rentner knappe 40 Prozent meines jetztigen Einkommens. Immer vorausgesetzt, so ein alter Knacker über 40 wie ich, ist am Arbeitsmarkt noch erwünscht. Und damit ich dagegen auch wirklich nichts tun kann, gibt es eine erhöhte Mehrwertsteuer, eine Halbierung des Sparerfreibetrages, Beitrags- und Gebührenerhöhungen an allen Ecken und Enden und wahrscheinlich eine Anhebung der Rentenbeiträge (21,9 Prozent nach der heutigen Prognose). Weniger für mehr, lautet die Divise. Offiziell läuft das Ganze unter der Überschrift, mehr Eigenverantwortlichkeit fördern. Klingt doch gut! Ist auch OK, solange der Spielraum zum eigenverantwortlichen Handeln belassen wird. Ich bin begeistert, frage mich aber einmal mehr, wie ich dem so verantwortlichen Handeln unserer verantwortlichen Politiker doch noch entgehen kann.

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Oliver (Gast) - 14. Aug, 11:46
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heldentenor - 16. Sep, 17:43
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rosmarin - 31. Jul, 19:52
ok.... ich hab in meiner...
ok.... ich hab in meiner verzweiflung versucht, in...
rosmarin - 23. Jul, 01:05
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Online seit
2005-11-21 19:44

Zuletzt aktualisiert:
6. Dez, 03:25

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