World Cup

10Jul
2006

WM: Finale

Hach, war das noch einmal eine Freude zum Abschluss. Zum Finale gab es eine wunderbare Partystimmung am Main. Lebenslust am Fluss. Lebenslust ist ein fantastisches Wort. Lebenslust etwas, was oft im Kleinen und im Großen so schwer zu finden und so schwer auszuleben ist. Aber zum Finale gab es sie auf breiter Front: Musik, Freude, Spannung, Ausgelassenheit, Tanz, Jubel, Trauer, Feuerwerk, Autocorso. Und es war schön, sich durch sie hindurch treiben zu lassen. Was bleibt sind viele bunte und atmosphärische Bilder und Impressionen.
Finale
Finale
Finale
Finale
Finale
Finale
Finale
Finale

4Jul
2006

WM: Halbfinale (provinziell)

Das Weindörfchen an der Mosel ist ein ruhiges und hübsches Örtchen. Die WM hat natürlich auch hier seine Spuren hinterlassen. Fußball ist das Gesprächsthema Nummer Eins in den Lokalen. An einigen Häusern hängen Deutschlandflaggen, auch Autos fahren mit Fähnchen vorbei und beim Bäcker wird ein Campingstuhl und Bettwäsche in den Nationalfarben angeboten.

Ein Ort zum Public Viewing ist das hier nicht. Die nächst Großleinwand ist 50 Kilometer flussaufwärts zu finden. Zwar haben alle Restaurants und Weinstuben auch einen Fernseher positioniert, aber das Angebot wird praktisch nicht angenommen. Die Anwohner bevorzugen offensichtlich die eigene Wohnstube und auch die Feriengäste ziehen sich bei den Spielen in ihre Pensionen oder Wohnwagen zurück. Einen echten Fan gibt es aber. Mit Trikot, Schal, Baseballkappe und einer Trommel steht er einsam am Flussufer und versucht mit seinen Gesängen und Trommelschlägen, für Stimmung zu sorgen.

Während sich die Stadt vor den Spielen zunehmend belebt, weil Viele auf der Suche nach einem attraktiven Platz zum kollektiven Fußballgucken sind, wird es hier je näher der Anstoß kommt stiller und stiller. Das Restaurant, das wir für den Halbfinalabend ausgesucht haben, kündigt an, dass eine halbe Stunde vor Spielbeginn die Küche geschlossen wird. Entsprechend leert es sich frühzeitig. Die Option, mit dem Koch und zwei Rentnerpärchen in der Kellerbar des angrenzenden Hotels das Spiel zu sehen, wird verworfen. Auf dem Rückweg wird auch die Hoffnung, dass die sonst gut besuchte Weinstube am zentralen Dorfplatz zum Public Viewing Treffpunkt wird, schnell gedämpft. Nachdem wir zwei Tropfen bestellt haben, erleben wir, wie an den anderen Tische nach und nach gezahlt werden. Um 20:50 sind wir praktisch die letzten Gäste. Die beiden Herren an Theke mit Dorfsäufercharme sind wohl eher dem Inventar zuzuschlagen. Also zahlen wir auch und begeben uns in die Ferienwohnung.

Zehn Minuten nach Spielbeginn hat das Reh genug von dem Spiel und zieht sich zurück. Schade, aber ich weiß, sie hat eigentlich Recht. Und wäre das hier kein WM-Halbfinale hätte ich wahrscheinlich zehn Minuten später den Fernseher ausgeschaltet, da das Spiel am Anfang zum Zuschauen wirklich nicht besonders attraktiv ist. Wer einmal bei einem Klassenspiel 90 Minuten über ein Fußfeld hin und her gerannt ist, weiß jedoch, welcher Belastung die Akteure bei dieser sommerlichen Hitze ausgesetzt sind.

Das massive Interesse am Fußball resultiert wahrscheinlich mehr aus dem Eventcharakter, der von den Medien inszeniert wird sowie der Lust an Spannung. Hierzulande ist natürlich auch die Tradition von Bedeutung. Die Fernsehbilder des Spiels als solches bieten jedoch für das Auge ziemlich wenig. In Spitzenspielen gibt es innerhalb von 90 Minuten auf beiden Seiten höchstens eine Hand voll Chancen. Meistens gewinnt, wer eine mehr nutzt. Im Wesentlichen dominiert Taktik und Stellungsspiel. Aber genau das wird von den Fernsehbildern, die auf einen Ausschnitt des Spielfeldes reduziert sind, sehr ungenügend eingefangen. Auch das Tempo wird durch den Kameraschwenk erheblich ausgebremst. Bei Volleyball, Basketball oder Handball passiert während eines Spiels erheblich mehr, insbesondere wird Tempo, Athletik und sogar Akrobatik auch im Fernsehen wesentlich greifbarer. Bei einem guten Fußballspiel gibt es vielleicht zwei oder drei tolle Freistöße zu bewundern. Im Gegensatz dazu bieten die Topprofis beim Basket- oder Handball während eines Spieles in atemberaubendem Tempo dutzendweise Zuspiel-, Wurf- und Sprungvarianten, dass man sich fragt, wie das überhaupt physikalisch möglich ist. Allerdings geht es manchmal so schnell, dass der Kameramann nicht mehr hinterher kommt. Und die Zeit, die dem Moderator für verbale Trivialorgien bleibt, ist wesentlich beschränkter. Es wundert mich daher immer wieder, wieso gerade Fußball so eine herausragende Beachtung in den Medien findet und wieso gerade hier so viel mehr Geld gezahlt wird.

Das Spiel wird mit zunehmender Dauer attraktiver und spannender. Schon seltsam, dass so eine Kickerei Wallungen erzeugen kann. Die Italiener machen in ihrer Spielweise einen stabileren und routinierten Eindruck. Dann gibt es doch wieder deutsche Offensiven, die die Hoffnung auf einen Finaleinzug aufrecht halten. Und dann kurz vor Schluss der Verlängerung die entscheidende Szene. Vielleicht einer der schönsten Spielzüge des gesamten Turniers, 1:0 für Italien. Ich kann eine leichte Enttäuschung nicht abschütteln, auch wenn sie mir selbst dämlich vorkommt. Aus, das Spiel ist aus und hat dann am Ende tatsächlich seinen verdienten Sieger gefunden. Aus der Stille der weindörflichen Gassen ertönen plötzlich ein paar Autohupen. Scheinbar hat es auch einige Tifosi hierher verschlagen.

28Jun
2006

WM: Viertelfinale (urban)

Schon in aller Frühe ist die Stadt mit Sonnenschein durchflutet. Nach dem langen kalten Winter, scheint es dem letzten deutschen Kaiser sogar gelungen zu sein, die Wettergötter für seine WM zu gewinnen. Auf meinen Weg zur S-Bahn sehe ich wie die Bäcker und Gemüsehändler, die Frühmorgens vor allen Anderen ihre Läden und Stände geöffnet haben, ihre Ware schwarz-rot-gold geschmückt präsentieren. Die Bäckersfrau hat passend die drei Streifen auf ihre Wangen geschminkt. Festtagsstimmung vom ersten Hahnenschrei an, als würden sich Ostern und Weihnachten mitten im Sommer auf einen Tag vereinigen.

Ein paar Stunden später haben sich die Fahnen, die an den Häusern hängen deutlich vermehrt. Vorfreudiges Hupen ist zu hören. Die Bahnen Richtung Innenstadt sind mit fröhlichen Grüppchen gefüllt, die teils in fantasiereicher Fanbekleidung gehüllt sind. Bikinioberteile und Röcke jeglicher Länge in schwarz-rot-gold, was teilweise ziemlich gut aussieht, ebenso gefärbte Perücken, Baseballmützen und auch Badekappen gehören zur dazu. Das Poldi-Trikot ist bei der jüngeren Damenwelt besonders beliebt. Wangen, Oberarme, Waden, Schultern und der freie Bauchnabel sind mit den Landesfarben geschminkt. Gern wird unterwegs noch etwas Farbe aufgelegt. Man begutachtet und fotografiert sich gegenseitig.
Deutschland - Argentinien
Am Main ist die Party schon zwei Stunden vor Spielbeginn voll im Gange. Es wird getanzt, gegessen, getrunken, gejubelt, gesungen, Fahnen geschwenkt. Heute spielt Deutschland im Viertelfinale und trotz der schwarz-rot-goldenen Grundtönung wirkt dieses Fest nicht wie eine nationale Angelegenheit. Das multikulturelle Stadtbild zeigt sich in seiner gesamten Breite. Die brasilianischen und französischen Fans sind auch schon da. Viele die heute in deutschen Farben Feiern, haben vor ein paar Tagen in Orange gefeiert und werden morgen ein französisches oder ein brasilianisches Outfit tragen.
Deutschland - Argentinien
Ein Platz in der Mainarena ist nicht mehr zu erobern. Einige hoffen zwar noch, dass sich die Eingänge noch einmal öffnen, aber die Erfahrung der letzten Tage sagt, dass dies eine sehr fromme Hoffnung ist. Deswegen ziehe ich mich zu dem Achtelfinal erprobten führenden Italiener meines Wohnviertels zurück. Auch hier ist der Andrang enorm. Es hat sich herumgesprochen, dass das Lokal mit zwei großen Leinwänden gut ausstaffiert ist. Die Kellner versuchen mit dem Hinweis, dass alle Plätze reserviert seien, den Zustrom etwas zu stoppen. 20 Minuten vor Spielbeginn geben sie das auf. Platz nimmt, wer Platz findet, Reservierungen spielen keine Rolle mehr. Nur ein einzelnes Paar nimmt Anstoß, dass es nicht seinen Platz bekommen hat. Irgendwoher werden zusätzliche Stühle angeschleppt. Auch die Blumenkübel, die den Freiluftbereich abgrenzen, dienen jetzt als Sitzfläche.
Deutschland - Argentinien
Fünf Minuten vor Spielbeginn ist die Stadionatmosphäre perfekt. Auf den Leinwänden sind die Spieler zu sehen, die darauf warten auf das Spielfeld einzulaufen und die Pizzeria wird durch ein lautes Klatschen erfasst. Die Stimmung wird durch die Spannung des Spiels permanent gesteigert. Kaum einer bleibt ruhig auf seinen Platz sitzen. Den Kellner gelingt es trotzdem Bestellungen aufzunehmen und mit Verzögerung Getränke und Speisen zu servieren. Lediglich ein paar Kleinkinder berührt das vitale Treiben nicht. Die spielen fröhlich auf dem angrenzenden, großen Innenhof.
Deutschland - Argentinien
Aufatmen nach dem späten Ausgleich, dann Verlängerung und Elfmeterschießen! Längst hat sich hinter der Terrasse des Lokals ein Art Stehtribüne gebildet. Die Spannung steigt und steigt. Bei den Elfmetern wechselt sich angespannte Stille und aufbrausender Jubel ab. Dann der entscheidende Elfmeter. Lehmann hält. Alle springen auf, der Jubel halt über den Innenhof. Minuten später ist aus der anderen Richtung das ersten Hupen zu vernehmen. Die Autocorsos formieren sich und werden heute noch lange unterwegs sein. Auch das ist keine nationale Angelegenheit. Die Türken sind die Ersten und morgen werden sie für die Franzosen oder Brasilianer hupen, weil ihnen der Autocorso einfach Spaß macht.
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Live hätte es nicht viel besser sein können.

19Jun
2006

WM: Iranische Party

Mahmud Ahmadinedschad war nicht da, obwohl sich das Gerücht, er komme, schon angesichts der Kolonnen von Polizeifahrzeugen, die zahlreich am Vormittag durch die Straßen fuhren, bis zum Mittag in der Stadt hielt. Mahmud Ahmadinedschad ist zwar auf meiner persönlichen Sympathieskala in den unteren Regionen zu finden, aber am Samstag habe ich seine Abwesenheit aufrichtig bedauert. Er hätte um das Spiel seiner Mannschaft herum gegen Portugal viel Schönes beobachten könne. Dazu hätte er nicht im Sicherheitskonvoi in das Waldstadion, das nun global kapitalistisch Commerzbank Arena heißt, aber zur Zeit nicht so genannt werden darf, fahren müssen, sondern ganz locker wie fast 20.000 seiner Landsleute den Main Arena aufsuchen sollen.
Iran - Portugal
Er hätte miterleben können wie iranische Frauen und Männer fast gleich verteilt fröhlich singend und tanzend das Mainufer bevölkert haben.
Iran - Portugal
Er hätte sehen können, wie alle, quer durch die Nationen, nebeneinander und miteinander die Sonne genossen und gefeiert haben.
Iran - Portugal
Er hätte erleben können wie sich Schotten, Engländer, Japaner und auch Amerikaner mit den iranischen Landesfarben schmückten und den Außenseiter anfeuerten.
Iran - Portugal
Er hätte mit seinen Landsleuten vor der Bühne tanzen können und die Begeisterung an der iranischen Popkultur auf diesem internationalen Fest der Freude erleben können.
Iran - Portugal
Er hätte gesehen, dass Frauen und Männer, jeden Alters und jeder Hautfarbe an so vielen Dingen ihre Freude teilen können. Ob Europäer, Afrikaner, Asiaten, Südamerikaner oder Araber. Der Spaß an luftiger Kleidung, Musik, Bier und Cocktails, Tanz und guter Laune kannte keine Grenzen. Nach dem Spiel hätte er wie viele Fans sein Trikot mit einem Portugiesen oder einem Brasilianer oder einem Schotten tauschen könne. Er hätte trotz der Niederlage noch lange in den Straßen der City sein Fähnlein mit den Landsleuten schwenken können.

Ach, Herr Ahmadinedschad, wirklich schade, dass sie nicht gesehen haben, wie schön und einfach das Miteinander frei von religiösen und politischen Dogmen sein kann. Wir sind eben alle Menschenkinder auf dieser Welt und wollen lieben und geliebt werden.

17Jun
2006

WM: Verluste und Gewinne

Die ökonomische Bilanz des großen Fußballfestivals ist noch lange nicht verifiziert. Ob das jemals der Fall sein wird, ist vollkommen offen. Ich persönlich habe den Verdacht, dass beim volkswirtschaftlichen Nachrechnen der Saldo gar nicht so positiv ausfallen wird, wie es der offizielle Sport- oder Politikfunktionär gern darstellt.
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Dennoch lassen sich schon jetzt erste lokale Teilergebnis festhalten. Beispielsweise ist der Gerechtigkeit ein Schwert abhanden gekommen. Vermutlich schwingt es mittlerweile ein englischer Kreuzritter bei seinem erbitterten Kampf das Achtelfinale zu erreichen.
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An anderer Stelle der Stadt sind kleine Zugewinne zu beobachten. Der ein oder andere stille Vertreter wurde von den Gästen mit einem farbenfrohen Kopfschmuck bedacht.

14Jun
2006

WM: GER:POL 1:0 ganz am Ende

Das wäre eindeutig Pech gewesen, wenn dieses Tor nicht gefallen wäre. So richtig Pech. Und dieser Lahm gefällt mir. So wie der Paule Breitner ganz am Anfang, nur optisch etwas unauffälliger. Vielleicht kommt von dieser Truppe doch etwas mehr, als bislang zu erwarten war.

WM: GER:POL 0:0 zur Halbzeit

War das nun bislang ein gutes Spiel oder nicht? Ich bin mir mit mir selbst da noch nicht einig. Ein gewisser Unterhaltungswert ist jedenfalls gegeben. Und wer spielt da überhaupt. Bei lediglich sechs von elf Matadoren konnte ich Namen und Gesicht zueinander zuordnen, als die Kamera bei der Hymne die Aufstellung abzoomte. Dieser Lahm ist wirklich nicht lahm. Und wenn jetzt diese deutschen Stürmer mit polnischem Migrationshintergrund eine Nuance mehr Glück haben, dann könnte das Spiel gewonnen werden. Ansonsten bin ich der Meinung, dass man Günter Netzer langsam auswechseln könnte. Den kann ich nicht mehr hören.

11Jun
2006

WM: Volksfest

Ich habe verschwommene Erinnerungen an die 74er Weltmeisterschaft. Den Sparwasser-Schock, die Frankfurter Regenschlacht, des Bombers 2:1, den endlosen Sturmlauf der Holländer in der zweiten Finalhalbzeit und den Kaiser mit dem Pokal. Die hupenden Autokorsos in der Nacht nach dem 90er Finale habe ich auch noch im Ohr. Dennoch muss ich etwas überrascht feststellen, dass das zurückliegende Wochenende für mich ein in dieser Art doch einzigartiges Erlebnis war.

Des Kaisers WM nahm bei Kaiserwetter die gesamte Stadt ein. Das Straßenbild präsentierte sich noch internationaler als es auch sonst zu tun pflegt. In der Innenstadt, aber auch in den kleineren Stadtteilzentren wurde überall gefeiert und zwar auf eine angenehm fröhliche Art. Als bekennender Voyeur konnte ich es mir natürlich nicht nehmen, ausgiebig durch das Zentrum zu tingeln. Eigentlich wollte ich ja nur kurz Tommies gucken gehen, aber die ausgesprochen gute Stimmung hat mich dann eingefangen. Omnipräsent die Engländer, die singend und biertrinkend, aber letztendlich gut gelaunt und friedlich die Herrschaft über Römerberg und Mainufer eingenommen haben. Nur am Abend meinten einige von ihnen, ihren Ruf durch das Werfen von Bierflaschen so richtig gerecht zu werden. Da wäre das Drängen der Begleiterin nicht nötig gewesen, um mich davon zu überzeugen, um diese Szene doch lieber einen Bogen zu schlagen.

Neben den Engländern waren auch vielen andere Fußball Touristen unterwegs. Tanzend und singende Brasilianer und Portugiesen, fotografierende Japaner und Koreaner. Und wir Einheimischen sowieso. Am Main und auf der Fressgass reihten sich Stände, die festes und flüssiges zum Verzehr anboten. Natürlich immer begleitet mit einer Liveübertragung. Das Angebot wurde dankbar aufgenommen. Die Gassen waren voll, doch nicht so, dass es kein Durchkommen mehr gab. Hautfarben, Alter, Einkommensgruppen und Geschlechter mischten sich. Die Mischung erzeugte die Atmosphäre. In diesem Ambiente wirkte, wer wohl überlegt bekleidet beim stilvollen Show-Myself-Italiener wie dem Garibaldi saß, schon wieder stillos. Hier und da tummelten sich natürlich auch einige Dumpfbacken oder Zeitgenossen, die dem Alkohol zu viel gefrönt hatten. Aber das prägte nicht das Stimmungsbild, sondern Fröhlichkeit war der dominierende Taktgeber.

Fußballspiele gab es nebenher auch noch. Mir kam es vor, als ob die verursachende, schönste Nebensache der Welt wirklich eine reine Nebensache war. So richtig begeisternd war ja keiner dieser Mittelfeldblockade Kickereien. Jedenfalls können die Spiele selbst kaum diese Begeisterung verursacht haben. Die freudige Euphorie der Masse wurde wohl eher durch die der Masse eigenen Euphorie und den Sonnenschein angetrieben. Geradezu ein Perpetuum Mobile der Emotion. Die Masse begeistert sich eben dafür, wofür sich die Masse begeistert. Stellt sich also die Frage, was eigentlich die Masse begeistert. Wie dem auch sei, diesmal bin ich ordentlich und zufrieden in der Masse mitgeschwommen.

10Jun
2006

9Jun
2006

WM: Schwarz - Rot - Gold

16:00 Uhr, gut gelaunt beende ich mein Seminar und weil doch heute das große Event startet, wird sich nicht nur mit dem Wunsch nach einem schönen Wochenende, sondern auch nach einem erfolgreichen Kick gegenseitig verabschiedet. Wenige Minuten später finde ich mich in der Mannheimer Innenstadt mitten in der WM Stimmung wieder. Ich bin über das Maß geradezu überrascht. Das Straßenbild wird durch Schwarz, Rot und Gold total dominiert. Überall sind Deutschland Fahnen zu sichten. Selbst der kleinste Laden hat sich mit den nationalen Farben geschmückt: Kioske, Friseure und auch der Gemüsehändler. Aus den Fenstern hängen Flaggen.
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Hatte ich mich noch am Vortag gefragt, wer eigentlich diese Unmengen an Fanartikel, die überall feilgeboten werden, benötigt, so wird mir jetzt die Antwort mit allem Nachdruck geliefert. Ob alt oder jung, ob Männlein oder Weiblein, die ganze Republik ist bereit, sich wohl mit schwarz, rot, goldenen Trikots, Mützen, Schals und Perücken dekoriert, auf das große Fußballfest einzulassen. Im ICE Richtung Mainmetropole geht das Fest weiter. Gesänge hallen durch die Wagons. Die Damen und Herren im feinen Businesszwirn studieren keine Wirtschaftsnews sondern die WM-Sonderbeilagen von FAZ, Welt oder FT.

Am Frankfurter Hauptbahnhof werden die deutschen Nationalfarben vom Rot und Weiß der Engländer verdrängt, die gerade in zehntausender Bündeln in die Stadt quellen. Um den Irish Pub gegenüber herum sammeln sie sich und sie entsprechen in wunderbarer Weise den gepflegten Vorurteilen. Kurz geschoren oder kahlköpfig, mit freien, fleischigen Oberkörpern intonieren sie ihr here we are, here we are. Die benachbarten Geschäfte haben Sicherheitspersonal an den Eingängen und die Pförtner der Bürogebäude ganz ehrfürchtig die Gitter zu den Eingängen heruntergelassen.

Mit zunehmendem Abstand zum Bahnhof gewinnt Schwarz, Rot und Gold wieder die Überhand. Nur noch zwanzig Minuten bis zum Anstoß des Eröffnungsspiels und die Straßen sind fast leer, nur vor den Lokalen mit ihren Großbildfernsehern sind noch Menschen zu sehen. Straßenfeger Atmosphäre. Aus den offenen Fenstern vernehme ich bei den schönen Sommertemperaturen überall das gleiche Programm. Grillgerüche fangen an über das Viertel zu ziehen. Pünktlich platziere ich mich um 18:00 Uhr vor der Glotze.
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rosmarin - 31. Jul, 19:52
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2005-11-21 19:44

Zuletzt aktualisiert:
6. Dez, 03:25

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