30 days

13Mai
2006

Vancouver (30 days - 8)


Der Abschied von Claire war kurz. Das war die einfachste Möglichkeit, den Abschied zu gestalten. Es ist schon ein seltsames Gefühl, nach einer so geistig wie körperlich intensiven Begegnung einfach weiter zu ziehen. Es war eines dieser „über den Weg laufen“, die das Leben unvermittelt zu bieten weiß. Es war so, wie es war, hatte seine Einmaligkeit und war auf seine Art ein rundes und abgeschlossenes Aufeinandertreffen. Natürlich tauschten wir Adressen und dennoch war uns Beiden bewusst, dass diese Geschichte genauso schnell ihr Ende wie ihren Anfang geschrieben hatte. Trotzdem stand dieses Gefühl im Raum, dass zu anderer Zeit und an anderem Ort manches Kapitel hätte folgen können.

Das Wetter auf der Schiffsfahrt von Prince Rupert nach Port Hardy war gut. Ein frischer und sonniger Frühlingstag, ideal für die „Inside Passage“. Die Fähre war nur halb gefüllt, so dass es an Bord nicht so unruhig und hektisch wie in den Sommermonaten, wenn die Karawanen von Reisegruppen kommen, war. Gleichmäßig schob sich die Fähre durch das Insellabyrinth vor dem Festland. Ich hatte mir einen Liegestuhl auf dem Vorderdeck gesucht und mich mit einem dicken Fliespullover und einer Decke vor dem kühlen Fahrtwind geschützt. Nach der letzten Nacht fiel ich manchmal in einen kurzen Schlaf. Berge, Inseln, Gletscher, Wälder und Wasserfälle zogen in immer neuen Varianten vorbei. Ein Pulk von Möwen bildete die Luftbegleitung. Mehrfach zog eine Delphinfamilie vorbei. Schön, wenn sie mit der ihnen eigenen Auf- und Abwärtsbewegung durch das Wasser gleiten. „Swim with the delfins“, ging mir der Slogan eines Plakats durch den Sinn, dass ich im Hafen gesehen hatte und im nächsten Moment mutierte der Satz zu „Swim with Claire“. Die Bilder der vergangen Nacht mischten sich immer wieder mit den Eindrücken der umgebenden Natur. So träumte und guckte ich mich die gesamte Fahrt über nach Süden.

Die Fähre kam in Port Hardy spät im Dunkeln an. Ich entschloss mich, auf dem Zeltplatz in der Nähe des Anlegers zu übernachten. Im neonbeleuchteten und von Mücken umschwärmten Empfangshäuschen, teilte mir der Pächter verschlafen mit, dass ich einfach irgendwo mein Zelt aufbauen könnte. Ich war fast ein bisschen stolz, dass es mir gelang, das Iglu ohne Probleme schnell aufzuspannen, hatte ich mich doch lange nicht mehr dieser technischen Herausforderung gestellt. Am nächsten Morgen war ich überrascht, wie gut der Campground belegt war. Viele Dauergäste mit ihren Caravans und Motorhomes waren da, oft Holzfäller und ihre Familien, die im nördlichen Teil von Vancouver Island saisonal arbeiten. Einige der Gäste schienen ständig hier zu leben. Die leicht herbe Atmosphäre, geprägt von Männern in Untenhemden, Wäscheleinen und Satellitenschüsseln ist vergleichbar der von Vorstadtsiedlungen mit weniger guten Ruf. Ich hatte keine Lust erst den Trangia Kocher aufzubauen und anzuwerfen, deswegen bin zum Zentralgebäude des Platzes, um einen ersten Kaffee zu trinken. Ein Frühstück hätte ich dort bekommen können, aber mir war nach einem Hauch Gemütlichkeit und ich bin die Straße bis in den Ort gelaufen. In einer Bäckerei, die mit „German Bread“ warb, war eine Sitzecke mit zwei Tischen eingerichtet. Zu den großzügig belegten Sandwichs, die tatsächlich beim Hineinbeißen einen gewohnten Widerstand bot, gab es nicht P&Gs Instant-Folgers, sondern richtig guten Filterkaffee.

Gegenüber war ein Friseur. Da ich noch etwas Zeit bis zur Abfahrt des Busses hatte, überlegte ich, ob ich die Gelegenheit nutzen sollte. Ich war mir nicht ganz schlüssig. Eigentlich kann man bei meinem Haarbestand nicht viel falsch machen, anderseits war da die Erinnerung an diese Friseuse in einem österreichischen Alpental, die fast nur mit Gewalt davon abzubringen war, mir so einen Hitlerjungenscheitel zu verpassen. Nichtsdestotrotz ging ich hinüber. Der Laden war sehr klein und seine Einrichtung hatte fast einen musealen Charakter. Es sah so aus, als hätte sich in den letzten 50 Jahren nichts geändert. Ein Mann indianischer Abstammung lächelte mich freundlich an und forderte mich auf, in einen der beiden Kunstledersitze Platz nehmen. Ich warf noch einen skeptischen Blick auf den altertümlichen Elektrohaarschneider in seiner Hand und schon begann er – ohne weitere Nachfrage – seines Amtes zu walten. Zehn Minuten später waren meine Haare zwei Zentimeter kürzer und ich musste eingestehen, dass er mit seinem Arbeitsgerät geschickter umgehen konnte, als ich das erwartet hatte.

Mittlerweile habe ich weitere neun Stunden Transport hinter mir, bis Nanaimo per Bus, anschließend mit einer Fähre zurück zum Festland und erneut mit dem Bus hinein in das Herz einer der schönsten Städte dieser Welt. Vancouver. Exakt mit einer Woche Verspätung habe ich die erste geplante Station dieser Reise erreicht. Ich sitze zwischen Canada Place und Seabus Terminal an der Uferbefestigung, lausche dem Plätschern des Wassers und lasse mich von der Aufführung der Großstadtlichter fesseln. Gegenüber glitzert in der gerade fortschreitenden Dämmerung North Vancouver von Minute zu Minute mehr. Ich habe keine Lust aufzustehen, aber die Suche nach einer Unterkunft steht noch an. Da ich für heute von den Bussen genug habe, entfällt die Gegend um die westliche 4st Avenue, also bleiben noch Gastown oder Downtown zur Wahl. Ich entscheid mich für Downtown, marschiere die leichte Steigung Richtung Georgia Street hoch, wobei der Rucksack lästig im Rücken drückt. Deswegen biege ich schon nach zwei oder drei Kreuzungen in die nächste Querstraße. Ein paar Meter weiter lese ich über dem Eingang eines Backsteinbaus „Hotel“. Dem Gebäude sieht man sein Alter an und das Gestell aus Feuerleitern wirkt wie ein riesiger Käfig. Der Empfangsbereich ist gefüllt mit Plüsch und angejahrten Pseudo-Antiquitäten, was wohl ein seriöses und nobles Bild abgeben soll. Egal, der Preis ist OK, ich checke ein. Wie vermutet, hört der „Glanz“ der Empfangshalle schon im Fahrstuhl auf. Quietschend befördert der mich in den dritten Stock. In seinen durch abgeblätterten Lack gemusterten Wänden suche ich Figuren. Die Fenster meines Zimmers gehen in den Hof hinaus. Ich ziehe der Stuhl zum Fenster, öffne es, ein angenehmer Zug bringt die frische Abendluft in den Raum. Plötzlich ist diese unbändige Lust nach einer Zigarette da, aber auf Reisen rauche ich ja nicht.

10Mai
2006

Claire (30 days - 7)


Der Duft von frisch aufgebrühten Kaffee weckt mich. Ich sehe sie mir abgewandt an der kleinen Küchenzeile stehen. Sie trägt wieder das karierte Flanellhemd. Nur das Flanellhemd. Ihr Po schaut unter dem Hemd hervor. Ich merke, wie sich bei mir eindeutige körperliche Veränderungen in der Hüfte einstellen. Sie dreht sich um und kommt mit zwei Kaffeebechern auf mich zu. Ihre zersauste Mähne ist bezaubernd. Sie setzt sich zu mir auf die Bettkante, reicht mir eine der Tassen und lächelt mir ein „Good Morning“ entgegen. Der Wecker neben dem Bett zeigt 6:32 Uhr an. Meine Gedanken fangen an, sich zu drehen. Ich werde etwas unruhig. Um 8:00 Uhr soll der Bus nach Prince Rupert fahren, den ich nicht verpassen darf, um mit der heutigen Fähre nach Vancouver Island zu kommen. Mein Gepäck steht noch im Hotel. Sie hat meine aufkeimende Unruhe bemerkt, streicht mir über den Rücken und sagt, dass ich nicht hektisch werde solle, sie wird mich zur Fähre fahren. Sie rutscht zu mir unter die Decke. Es bleiben mir noch zwei Stunden mit Claire.

Als ich mich nach meiner ersten Nacht in Stewart beim Wirt des Stewart Hotels nach Bussen, die nach Prince Rupert fahren, erkundigte, erfuhr ich, dass die Fähre erst heute wieder ablegt. So ganz unrecht war mir diese Information nicht. Nach den vielen Stunden der letzten Tage, die ich lediglich mit dem Transport meines eigenen Körpers beschäftigt war, erschien mir das Verweilen für zwei Tage an einem Ort als passende Ruheeinheit. Auf Nachfrage erhielt ich vom Wirt ein etwas größeres und komfortableres Zimmer zugewiesen. Der Komfort bestand aus einem Tisch und einer eigenen Duschkabine. Den Tag habe ich dann auf nicht rekonstruierbare Weise im Ort totgeschlagen. Stewart unterscheidet sich nicht wesentlich von Dawson City, eine 2000-Seelengemeinde mit zwei dutzend Läden, die etwas schläfrig abseits der Welt vor sich hin lebt. Der Tourismus hat hier einen noch geringeren Stellwert, obwohl das Umland wesentlich abwechselungsreicher als in Dawson City ist.

Am Abend begab ich mich wieder in die Gaststube des Hotels. Meinen Hang zu Gewohnheiten folgend ging ich zielstrebig auf den Platz zu, den ich schon am Vorabend eingenommen hatte und bemerkte dann, dass da die Frau mit der Schramme auf der Wange saß. Sie trug diesmal ein T-Shirt, das ihren sportlichen Körper betonte. Etwas zögerlich fragte ich, ob der Platz neben ihr frei sei. „Setz’ Dich, Fremder“, antwortete sie mit leicht witzelnder Betonung. Schnell und unkompliziert entwickelte sich ein entspanntes Gespräch. Sie wollte wissen, wieso ich um diese Jahreszeit Stewart besuche. Ich schilderte meine Reise der letzten Tage und meinen Plan, die Welt zu umrunden. Claire ist in Stewart geboren. Sie erzählte, dass sie von Juni bis September in Banff und Jasper für eine große Reisegesellschaft als Guide arbeitet. Damit verdient sie ihr Jahreseinkommen. In den restlichen Monaten lebt sie in ihrem Heimatort, nimmt manchmal einen zusätzlichen Job als Guide an und nimmt sich Zeit, um selbst auf Reisen zu gehen. Wir tauschten einige Reiseanekdötchen aus und plötzlich waren fast vier Stunden vergangen. Als ich mich in mein neues Zimmer zurückzog, merkte ich, wie mir die Stimme dieser Frau in den Ohren haften blieb.

Natürlich trafen wir uns gestern Abend wieder im Stewart Hotel. Verabredet hatten wir uns nicht, aber als ich mich in den Gastraum begab, ging ich davon aus, sie wieder zu treffen. Das Gespräch wurde persönlicher. Sie erzählte von einer Beziehung mit einem Kollegen, die im letzten Herbst zu Ende gegangen war. Der Job und die Distanzen des Landes hatten nach und nach Barrieren aufgebaut, so dass es irgendwann nicht mehr gut ging. Auch ich erzählte von meiner letzten Trennung. Dann kamen wir auf unsere Eltern zu sprechen. Ihre sind schon verstorben. Sie hat ein kleines Häuschen geerbt, was auch der Grund ist, warum sie nach wie vor in Stewart lebt. Als ich fragte, wie groß das Haus ist, sagte sie, „Komm’ mit, ich zeig’ es Dir.“

Kurze Zeit später stand ich in ihrem Reich. Das Haus besteht im Wesentlichen aus einem großen Livingroom, in dem eine kleine Küchenzeile abgetrennt ist. Es gibt noch zwei weitere kleine Räume. Einen hat sie sich als Arbeitszimmer eingerichtet, der andere dient als Abstellkammer. Über die moderne Einrichtung war ich überrascht. Besonders die gerahmten, hochwertigen Kunstdrucke von abstrakten Bildern hätte ich hier nicht erwartet. Sie öffnete eine Flasche Wein und erzählte, dass moderne Kunst ein Hobby von ihr sei und sie auch im Internet an Online-Seminaren über Kunst teilnimmt. Sie plane sogar, wenn sie den Job als Guide nicht mehr machen will, eine kleine Kunsthandlung in einem der Touristenzentren der Rockies aufzumachen. Ihre aufgeschlossene lockere Art verbannten die leichten Anspannungen, die sich erfahrungsgemäß in solchen Situationen bei mir melden, vor die Tür.

Wir saßen gemeinsam auf einem Sofa, schlürften den Wein und zu dem Gespräch gesellten sich allmählich „zufällige“ Berührungen. Die Berührungen nahmen zu und der verbale Austausch etwas ab. Ab einem gewissen Punkt kamen mir die Kondome, die in meinem Reisegepäck im Hotel lagen, in den Sinn. Da meldete sich dann doch eine etwas deutlichere Anspannung. Als könne sie Gedanken lesen, beugte sie sich in dem Moment vor, zog eine Schublade auf und forderte mich angrinsend auf, hineinzuschauen. Mittlerweile hatten wir uns der letzten Kleidungsstücke entledigt. Ausgiebig gaben wir uns dem sinnlichen Spiel der gegenseitigen Erkundung her. Der Geruch ihrer Haut lies mich an einen bemoosten Waldboden denken. Hatte sie in den unzähligen Stunden, die sie im Freien verbracht hat, diesen Geruch angenommen? Hier und da entdeckte ich ein paar Narben, in der Mitte über ihrer Scham fand ich einen kleinen Leberfleck. Im Zentrum ihrer kleinen, festen, leicht asymmetrischen Brüste thronten zwei dunkle, wunderschöne Warzen. Kleine Brüste konnten mich schon immer halb um den Verstand bringen. In ihr zu versinken, war wie ein Bad im tropischen Meerwasser, bei dem man von den umgebenden Wellen und der Wärme nicht genug bekommen kann.

9Mai
2006

Stewart (30 days - 6)


Ich sitze an der kürzeren Seite der über Eck angeordneten Theke, was mir gute Sicht in den großen Raum bietet. Guter Platz. Ich kann es nicht leiden, das Lokal im Rücken zu haben. Pat hat mich hier vor einer Stunde abgesetzt. Hier, das ist das „Stewart Hotel“, wie könnte es auch anders heißen? Hier das ist die Synthese aus Bahnhofskneipe, Vereinsheim, Jugendherberge, Kontakt- und Jobbörse, Stundenhotel, Versammlungshalle, Arbeiterwohnheim, Pommesbude, Familienrestaurant … eben die geballte Infrastruktur, die ein Ort wie Stewart benötigt. Das Stewart Hotel ist ein Familienbetrieb. Der Wirt steht hinter dem Tresen und ruft durch den offenen Durchgang zur Küche dahinter seiner Frau zu, was geordert wurde. „Mary, big Burger!“, hallt es dann durch den saalartigen Raum. „Yep!“, tönt es zurück. Seine beiden pubertierenden Töchter bedienen mit gelangweilten Blicken die Tische.

Pat hatte schon an der Busstation auf mich gewartet, als der Greyhound pünktlich in Watson Lake eintraf. Nur in Etappen hatte ich in dieser Nacht geschlafen. Die Sitze des riesigen Busses waren zwar bequem, aber die Stotterattacken des Motors und Steinschläge sorgten für eine unruhige Nacht. Ich war froh, dass Pat vorschlug, erstmal zu frühstücken und nicht sofort loszufahren. Das Wort „Highway“ sollte nämlich nicht mit „Bundesstraße“ oder „Autobahn“ übersetzt werden, es steht lediglich für eine öffentliche Straße. Der bauliche Zustand der Strecke kann sehr unterschiedlich ausfallen. Der Cassier Highway, der Stewart und Watson Lake miteinander verbindet, hat den Ruf besonders spektakulär und wild zu sein. Gegenüber der Busstation war ein Motel, in dem wir ein Frühstück bekamen. Beim wohltuenden Kaffee machten wir uns bekannt. Pat, ein Mittfünziger, vollbärtig und von hagerer Gestalt befragte mich neugierig nach Internetgeschäften, nachdem ich erzählt hatte, mit Computern zu arbeiten. Er selbst handelt mit Allem, was mit Fischen und Jagen zu tun hat, nur Handfeuerwaffen verkauft er nicht, dafür hat er „leider“ keine Lizenz. Am Wochenende macht er mit den Saisonarbeitern der Holz-Gesellschaften rund um Stewart sein wichtigstes Geschäft. Jetzt denkt er über einen Internetshop nach, um seine breit verstreute Kundschaft noch besser bedienen zu können.

Die Fahrt über den Cassier Highway war wirklich beeindruckend. Die Straße schlängelt sich in einem ständigen Auf und Ab durch die Berge und Täler nach Südwesten. Besonders auf den Passhöhen eröffnen sich teilweise grandiose Panoramas. An einigen Stellen ist die Fahrbahn weg gebrochen oder halb durch Erdrutsche verschüttet. Ich wunderte mich, wie Pats breiter Jeep an diesen Passagen dennoch vorbei kam. Am Mittag machten wir an einem Punkt Rast, der eine besonders gute Aussicht über die Gebirgszüge bot. Plötzlich wurde Pat sehr ruhig und zeigte den Abhang hinunter. Ich sah in ein paar hundert Meter Entfernung zunächst nur etwas Dunkles im Unterholz verschwinden. Einen Moment später tauchte es wieder aus dem Gestrüpp auf und war deutlich zu erkennen. Ein Bär. Pat meinte, es sei gesünder jetzt weiter zu fahren. Er erzählte, dass die Stelle ein beliebter Rastplatz sei, was zur Folge hat, dass immer ein paar essbare Reste zurückbleiben. Entsprechend beliebt sei die Stelle daher auch bei den Bären.

Die Dämmerung setzte schon ein, als wir in Stewart ankamen. Der Anblick des Stewart Hotels, aus dem kaltes Neonlicht aus den mit gräulichen Stores gezierten Fenstern schimmerte, war ein herber Kontrast zur zuvor durchfahrenen Landschaft. Entsprechend dem ersten Eindruck war auch das Zimmer, das ich bezog. Ein Bett, ein paar an die Wand montierte Bretter als Ablagefläche, eine Holzstange, die wohl den Kleiderschrank darstellen sollte. Tatsächlich gab es auch einen Stuhl, der verlassen mitten im Raum stand. Kurzum, das Gefühl, in einer Gefängniszelle zu sitzen, stellte sich zwangsläufig ein. Ich stellte daher nur mein Gepäck ab und ging hinunter in den Schankraum, um den Tag mit einem Bier ausklingen zu lassen.

Jetzt sitze ich immer noch hier, da ich den Aufenthalt in meiner Zelle auf die reine Schlafzeit reduzieren will. Am Tresen sitzen fast nur Männer, die meistens gebannt den Fernseher mit der Sportsendung verfolgen. Baseball, ich werde dieses Spiel nie verstehen. Am anderen Ende der Theke sitzt eine Frau. Sie ist Anfang Dreißig und trägt wie alle hier eine kakifarbende Arbeitshose und darüber ein kariertes Flanellhemd. An einem Tisch spielen zwei ältere Ehepaare Karten, an einem anderen zockt eine Herrenrunde. Um den Billardtisch hat sich eine Gruppe Jugendlicher versammelt. Der Typ neben mir erzählt mir gerade seine Familiengeschichte. Auf seine Fragen, was ich hier mache und woher ich komme, hatte ich eintönig und redefaul mit „Traveling“ und „Germany“ geantwortet. Das reichte aus, um von ihm als „great“ eingestuft zu werden und da ein Urgroßvater von ihm in Salzburg geboren war, sah er den Bezug zu mir und fing an zu erzählen. Ich tarne diesen Monolog als Dialog indem ich ungleichmäßig ein Kopfnicken oder ein „oh“ begleitend von mir gebe. Mein Blick bleibt zwischendurch immer wieder bei der Frau am anderen Ende des Tresens hängen. Ihr Gesicht, was durch einen sehr dichten halblangen Haarschopf gerahmt ist, ist attraktiv. Es hat diese Attraktivität, die so jenseits der Ideale aus den Hochglanzmagazinen ist, schwer zu sagen, ob es die Augenfarbe ist oder die einzelnen Sommersprossen oder gar die deutliche Schramme auf der Wange. Ich zucke fast etwas zusammen, als ich bemerke, dass ihr meine Blicke nicht entgangen sind. Dann sehe ich aber das Schmunzeln, was über ihr leicht nach unten geneigtes Gesicht in diesem Moment huscht. Ein schönes Lächeln.

7Mai
2006

Normalität (30 days - 5)


Kitty’s Frühstück ist Klasse. Natürlich gibt es - wie von mir sehr geschätzt - „Ham and Eggs“. Was würde man auch schon Anderes in diesem Teil der Welt erwarten? Jedenfalls keine selbst gebackenen Brötchen, die beim Hineinbeißen tatsächlich einen angenehmen Bisswiderstand bieten und gemeinsam mit der Waldbeerenmarmelade eine Köstlichkeit sind. Und sicher keinen frisch gebrühten Bohnenkaffee. Aber genau das finde ich auf den liebevoll gedeckten Frühstückstisch, als ich den Gemeinschaftsraum betrat. Kitty fragt mich, ob ich gut geschlafen habe. Ja, das habe ich, wie ein Stein, wie ein rollender Stein, denn die stundelange Fahrt auf der Schotterpiste des gestrigen Tages hat mich noch im Traum begleitet. Ich lobe ihr Frühstück mit Begeisterung und merke, dass sie sich darüber wirklich freut. Mir scheint, sie wird sogar ein wenig rot. Sie verabschiedet sich, um Einkaufen zu gehen. Ich schmökere ausgiebig in dem abgegriffenen „Lonely Planet“ und die Route für die nächsten Tage nimmt Konturen an. Über Alaska- und Cassier-Highway nach Prince Rupert, dann mit der Fähre via Inside Passage nach Süden. So könnte ich es vielleicht in drei oder vier Tagen in mein geliebtes Vancouver schaffe.

Nach dem Frühstück begebe ich mich in den Ort. Dawson City ist wie eine angelsächsische Kleinstadt, deren nächste Nachbargemeinde ein paar hundert Kilometer entfernt ist, eben so ist, nämlich verschlafen. Ich merke wie mich das ein oder andere neugierige Augenpaar verfolgt. Natürlich sind fremde Gesichter hier nichts Ungewöhnliches, dafür lebt der Ort zu sehr vom Tourismus, aber die Saison hat noch lange nicht angefangen und daher falle ich auf. Womöglich hält man mich für einen dieser vereinzelten, von Nostalgie besessenen Irren, die auch heute noch hier herkommen und ernsthaft in den Flüssen und Bächen nach Gold suchen. Am Busbahnhof erfahre ich, dass am Abend ein Bus Richtung Süden losfährt. Das gefällt mir, so kann ich im Schlaf nach Watson Lake kommen. Weniger gefällt mir, dass zwischen Watson Lake und Prince Rupert kein Bus verkehrt. Wenn ich an meinen gerade gefassten Plan festhalten will, muss ich entweder ein Auto mieten oder eines der privaten Reisebüros in Anspruch nehmen.

Ich besuche das Klondike Museum. An Wandtafeln lässt sich die Geschichte des großen Goldrausches nachlesen. Ausgestellt sind alte Schürfwerkzeuge, Schaufensterpuppen sind mit der typischen Kleidung der Goldsucher ausstaffiert und in einer beleuchteten Glasvitrine ist etwas Goldstaub zu bewundern. Das originellste Exponat ist der Museumswärter. Der sitzt auf einen Schemel neben dem Eingang und kratzt sich rhythmisch zwischen den Beinen. Diesen konditionierten Griff an seine Eier stellte er auch nicht ein, als ich mich beim Gehen auf einen fünfminütigen Smalltalk mit ihm einlasse.

Ich geh zurück zu „Kitty’s“. Die Hausherrin ist auch zurück. Sie befragt mich jetzt nach der Notlandung in Inuvic und will wissen, was bei dem Unglück passiert ist. Ich schildere ihr meine Ankunft auf dem amerikanischen Kontinent und erzähle auch von meinen Plan, nach Prince Rupert fahren zu wollen. Es wundert mich fast gar nicht, dass sie einen gewissen Pat in Watson Lake kennt, der zum Wochenende immer geschäftlich nach Stewart fährt. Ich könne bestimmt mit ihm fahren. Das ist typisch für dieses weite Land. Die Menschen leben Hunderte von Kilometer voneinander entfernt und trotzdem existiert ein festgeknüpftes Beziehungsgeflecht. Bevor ich diese neue, sehr praktische Reiseofferte selbst realisiert habe, ist Kitty schon am Telefon. Ich werde dann eigentlich nur noch davon in Kenntnis gesetzt, dass mich Pat morgen früh um halb sieben an der Busstation in Watson Lake empfangen wird und ich dann mit ihm nach Stewart fahren werde. Stewart ist von Prince Rupert etwa 150 Kilometer entfernt, was in diesem Land nicht mehr als ein Katzensprung ist.

Acht Stunden später sitze ich im Greyhound, der auf dem Alaska Highway nach Süden fährt. Gerade neun Reisende verlieren sich in dem dicken Gefährt. Langsam setzt die Dämmerung ein. Ich schaue aus dem Fenster und lasse den Ausblick wie einen monumentalen Film, der mich vollständig gefangen nimmt, auf mich wirken. Breite Täler, wilde Flussläufe und im Hintergrund teils schneebedeckte Gebirgsketten. In meinen Gedanken wiederholen sich die letzten zweieinhalb Tage. Das ich erst zweieinhalb Tage auf Tour bin, kommt mir eigenartig vor. Mir ist, als wäre ich schon viel länger unterwegs. Der Rhythmus Fahrt, Ortswechsel, neue Unterkunft und neue Eindrücke erscheint mir unglaublich normal, geradezu als wäre es eine selbstverständliche Alltäglichkeit. Sogar diese Landung in Inuvic empfindet die innerliche Nachbetrachtung so gar nicht ungewöhnlich. Ich bin vollkommen in meiner Reisenormalität angekommen.

6Mai
2006

Dawson City (30 days 4)


Muri hält das Lenkgrad des Pickups fest umklammert. Seine Augen sind konzentriert nach vorne gerichtet. Die öffentliche Straße von Inuvic nach Dawson City führt zwar endlos geradeaus, ist aber nichts weiter als eine holprige Schotterpiste. Immer wieder erscheinen plötzlich Hindernisse. Geröll, ein Tierkadaver oder ein verdörrter Baumstamm zwingen zu Ausweichmanövern. Muri könnte dreißig sein. Genau lässt sich sein Alter nicht schätzen. Seine indianische Abstammung sieht man ihm an. Er hat eine breite Nase und die großporige Haut seines Gesichts ist bei aller Blässe von anderem Teint als bei uns Europäern. Trotz eines sehr spärlichen Bartwuchses trägt er einen Oberlippenbart. Das scheint bei den Männern hier beliebt zu sein. Schon in Inuvic fiel mir auf, dass viele der Männer ein solches Bärtchen tragen. Muri ist der Neffe meiner Inuvicer Herbergsgeber, der wie angekündigt gestern Abend noch kam, um Ware zu bringen. Er ist nicht sehr gesprächig. Das kommt mir gelegen, denn es ist mit meinem sehr mittelmäßigen Englisch schon sehr anstrengend stundenlange Gespräche zu führen, insbesondere dann, wenn mein Gegenüber wie Muri einen sehr eigenwilligen Dialekt spricht.

Noch Sonjas spontane Reaktion zu dieser Idee im Ohr, hatte ich mich heute früh entschlossen, Muri zu fragen, ob er mich auf seiner Rückfahrt mitnimmt. Ohne zögern stimmte er zu und als ich ihm noch ein paar Dollar für diesen Lift anbot, nahm er die etwas schamhaft, aber offensichtlich gern an. Die Entscheidung auf dem Landweg quer durch das Yukon Territorium an die Westküste zu gelangen, war damit gefallen. Wie sich das im Detail gestalten wird, wird sich noch zeigen. Alte Kindheitserinnerungen an Filme mit Trappern und Goldsuchern gingen mir durch den Kopf. Die Fantasie diesen abgelegenen Teil Kanadas zu bereisen, hatte ich schon lange, jetzt sollte sie ungeplant zur Realität werden. So was nennt man wohl Schicksal. Ich bin noch zu dem Hotel, in dem der Flugcrew und auch Sonjas Reisegruppe untergekommen ist, um mich abzumelden. Der Kapitän hatte natürlich erhebliche Bedenken, wies mich auf Gefahren und Versicherungsschutz hin und riet mir eindringlich auf die angekündigten Wartungs- und Tankflugzeuge zu warten. Kopfschütteln verabschiedete er sich dann von mir. Ich traf am Ausgang erneut Sonja, die gerade mit einem Teil ihrer Gruppe hineinkam. Wir tranken gemeinsam einen Kaffee und tauschten die Email-Adressen. Eine halbe Stunde später stieg ich zu Muri in seinen Pickup.

Jetzt sitze ich schon zehn Stunden neben Muri und bin mittlerweile durch das Schütteln und Rütteln halb betäubt. Der Pickup ist ein robustes Fahrzeug, aber ohne jeglichen Komfort. Gerade haben wir ein Schild passiert, auf dem Dawson City nur noch mit einer zweistelligen Entfernungsangabe aufgeführt war. „About an hour“ murmelt Muri. Ich denke, eine Stunde klingt gut, ist auch egal, da ich mich in einem Zustand befinde, der das Zeitgefühl aufgehoben hat. Eine Stunde, zwei Stunden oder zehn Minuten, es scheint mir nicht unterscheidbar. Zwei Stunden später ist die eine Stunde vorbei. Wir haben Dawson City erreicht, jene Stadt, die für ein Jahr das Zentrum aller Hoffnung dieser Welt war. Das war 1898 beim großen Goldrausch. Nachdem bekannt wurde, dass es in den Jahren zuvor tatsächlich beachtliche Goldfunde um den Klondike River herum gab, kämpften sich 100.000 Menschen durch die Wildnis hierher. Gold gefunden haben die Wenigsten von ihnen und die wirklich ergiebigen Claims waren zu diesem Zeitpunkt schon längst verteilt und ausgebeutet. Zwei Jahre später war der Rausch schon wieder vorbei. Aber selbst Jahrzehnte später gab es vereinzelt beachtliche Funde. Beim Renovieren des Orpheum Theatre wurde in den 1940er Jahren Goldstaub im Wert von $1000 unter dem Fußboden gefunden, wohin er aus den Taschen der Goldsucher fast 50 Jahre vorher gerieselt ist. Auch heute wird in der Gegend noch Gold abgebaut. Daneben ist der Outdoor-Tourismus in den Sommermonaten eine der wichtigsten Einnahmequelle der 2000 Einwohner.

Muri stoppt den Wagen. Er zeigt auf ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite und sagt, „You can stay here“. Das große Haus hat an der Frontseite eine große Veranda, die sich über die gesamte Breite erstreckt. Trotz der für die Jahreszeit typischen Temperatur von maximal 5 Grad, ist eine Hängematte aufgespannt. Die Fassaden sind offensichtlich schon lange nicht mehr gestrichen worden. Die matte, bräunliche Farbe blättert an vielen Stellen vom hölzernen Untergrund ab. Über der Eingangstür leuchtet wie ein Fremdkörper der Schriftzug „Kitty’s“ in rosa Buchstaben. Kaum habe ich über drei Stufen die Veranda betreten wird die Tür aufgerissen und eine kräftige Frau mit nicht schätzbarem Alter steht vor mir. „Hey, I am Kitty“, streckt sich mir eine Hand zur Begrüßung entgegen. Offensichtlich hatte mich Kitty schon erwartet. Ich selbst hatte mir bislang keine Gedanken über meine heutige Übernachtung gemacht. Meine Inuvicer Wirtsleute sind mir in diesem Punkt zuvorgekommen und hatten Kitty telefonisch mein Kommen angekündigt. Kitty gehört wie Muri zu dem erweiterten Kreis ihrer Verwandten, die in der Weite des Yukon Territoriums verstreut leben. Kitty betreibt diese einfache Pension, die aus zwei geräumigen Schlafkammern und einem Gemeinschaftsraum besteht. Heute bin ich der einzige Gast. Die Saison in Dawson City fängt frühsten in vier Wochen an. Im Juli und August werden die Unterkünfte zum knappen Gut. Dann erlebt Dawson City seinen alljährlichen kleinen Rausch, wenn überwiegend Outdoor Touristen anreisen, um sich auf die Spuren der Goldgräber zu begeben.

Kitty weist mich kurz in ihr Hostel ein. Bettzeug hier, Getränke da, Klo dort. Sie hat ein burschikoses, aber letztendlich herzliches Wesen. Sie zieht sich schnell wieder zurück. Mir ist das nur Recht. Mein durch die Gravel Road betäubter Körper schreit nach Schlaf. Neben meine Schlafstätte lege ich einen zerfledderten „Lonely Planet“, der im Gemeinschaftsraum lag. Neun Jahre ist das gute Stück alt, aber das macht in dieser Gegend weniger aus, so schnell ändert sich hier nichts. Zum Lesen komme ich nicht mehr, kaum liege ich, falle ich in einen tiefen Schlaf.

3Mai
2006

Inuvik (30 days - 3)


Vor mir steht eine Flasche Heinecken. Die grüne Flasche ist der vertrauteste Gegenstand in dieser ungewohnten Umgebung. Der ausgestopfte Eisbär am anderen Ende des Raumes verdeutlicht, wo ich hier bin. Ich sitze am Tresen im „Back Room“, einer der fünf Kneipen von Inuvik. Inuvik liegt fast 4000 Kilometer nördlich von Vancouver, meinem ursprünglichen Reiseziel. Mittlerweile weiß ich, dass Inuvik der nördlichste Ort Nordamerikas ist, zu dem eine öffentliche Straße führt. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei -9 Grad. Heute war ein sonniger Tag, so dass sich am Nachmittag die Milde des Gefrierpunkts breit machte. Für die nächsten Tage ist vergleichbares Wetter vorausgesagt. Inovic ist eine Retortensiedlung, die irgendwann in den 50ziger des letzten Jahrhunderts als Verwaltungszentrum dieser arktischen Einöde gebaut wurde. Es leben hier Nachfahren der Ureinwohner, Trapper, Polarforscher und einige Geschäftsleute. Vor dreißig Jahren gab es hier einen Öl-Boom, der aber mittlerweile auch Geschichte ist. Der Ort macht heute einen eher verwahrlosten Eindruck.

An einem der Tische sitzt das Paar, was mir auch am Frankfurter Flughafen gegenüber saß. Sie schauen ausdruckslos auf den Tisch. Sie sitzen nebeneinander, nicht gegenüber oder über Eck, so dass sie sich bei Tisch ansehen können. Er stochert lethargisch in den Pommes herum, die vor ihm stehen. Sie reden nicht miteinander, nicht mit anderen, schauen sich nicht an, sitzen da nur. Zu zweit und doch allein, denke ich.

Die Reiseleiterin von der großen Gruppe steht plötzlich in der Eingangstür. Sie scheint es geschafft zu haben, sich ihren Schützlingen zu entziehen. Vorhin nach der Landung auf den Flughafen konnte man Angst bekommen, dass sie von ihrer Reisegruppe erdrückt wird. Eingekeilt von 50 Leibern sollte sie umgehend klären, wann es weitergeht, wo es was zu essen gibt, wo die Klos sind, was das beste Hotel am Ort sei und was der organisiert reisende Tourist noch so wissen will. Ich grüße sie mit einem Kopfnicken. Daraufhin kommt sie auf mich zu und fragt, ob sie sich zu mir setzen könnte. Das finde ich gut, so wie diese Reise anfängt, werde ich die nächsten Wochen noch genügend Gelegenheiten für die Lonley-Cowboy Rolle haben. „Geschafft“, frage ich. „Das kannst Du schriftlich haben, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, antwortet sie. Sie bestellt auch ein Heinecken. Kopfschüttelnd schildert sie mir die Wünsche, die einige ihrer Reisenden ihr angetragen haben. Es war ihr tatsächlich gelungen, die gesamte Gruppe in einem einzigen Hotel unterzubringen. Anschließend gab es Beschwerden über die fehlende Minibar oder das nur englische Fernsehprogramm. Nachdem sie ein wenig ihren Frust über die Gruppe abgelassen hat und ich meinerseits meine Verwirrtheit über die Situation bekundet habe, ergibt sich ein ganz gemütliches Schwätzchen. Sonja heißt sie. Sie ist seit zehn Jahren als Reisebegleiterin tätig und hat sich in den letzten Jahren auf Kanada spezialisiert. In Inuvik war sie freilich auch noch nie. Es tut gut, nicht nur über unseren Aufenthaltsort zu reden.

Wir sind also in Inuvik. Ich kann den Ort auf der Landkarte einordnen, was vor fünf Stunden noch nicht der Fall war und ich weiß, wie man hier hinkommt, wenn auch nicht mit Vorsatz. Unbeantwortet ist aber noch die Frage, wie und wann ich hier wieder wegkomme. Auch Sonja ist da noch nicht weiter. Die Reisegesellschaft, für die sie arbeitet, hat ihr zwar mehrfach versichert, dass sie sich intensiv um eine Lösung kümmert, aber mehr bekam sie auch nicht zu hören.

Nach der Landung hatte sich die Anspannung einiger Passagiere entladen, als zwei mit dicken Daunenjacken bekleidete Ranger unsere Pässe zur Einreise kontrollieren wollten. Dies wurde als Unverschämtheit empfunden, man habe es nicht nötig, sich an Orten, an denen man nicht landen wollte, auszuweisen. Ein kleiner, leicht kräftiger Mann mit einem auffällig geröteten Kopf machte den Eindruck, er wolle auf die einen Kopf größeren Ranger losgehen. Einer der Stewardessen gelang es mit Charme die Situation zu schlichten. Anschließend hat der Kapitän zunächst alle Passagiere in einer dieser Blechbaracken zusammengerufen. Er erklärte, dass ein Weiterflug frühsten morgen möglich sei, er jedoch noch keine definitive Aussage treffe könne. Die Betonung lag verdächtig auf „frühsten“. Folglich mussten Übernachtungsmöglichkeiten organisiert werden. Bei Nachttemperaturen von -10 Grad war eine Nacht im Flugzeug keine Alternative. Die Hotelkapazitäten von Inuvic sind aber nicht auf mehrere hundert Besucher ausgelegt.

Mittlerweile hatte sich die unerwartete Ankunft unseres Flugs auch im Ort, der fünf Kilometer von der Landepiste, die hier Airport genannt wird, entfernt liegt, herumgesprochen. Etwa zwei Dutzend Einwohner sind daraufhin mit ihren Pickups gekommen und boten private Quartiere an. Ich entschied mich, bei einem nett wirkenden älteren Ehepaar zu übernachten. Nach einem der jetzt überfüllten Hotels stand mir nicht der Sinn. Zu meiner Überraschung bekam ich in ihrem Häuschen ein richtig gemütliches Zimmer, das früher von ihrem Sohn bewohnt wurde. Sie gaben mir auch einen Schlüssel, weil sie selbst früh schlafen gehen. Bevor ich losging, um im Ort etwas zu essen, unterhielt ich mich ein wenig mit ihnen. Die Beiden betreiben einen kleinen Gemischtwarenladen und leben schon seit über zwanzig Jahren hier. Sie erzählten mir auch, dass am Abend noch ein Neffe von ihnen aus Dawson City kommt, der Ware bringt und morgen wieder zurückfährt. Da kam mir der Gedanke, ob dies nicht eine Möglichkeit ist, schnell ein Stück südwärts zu kommen.

Ich erzähle Sonja von meiner Idee. „Mach das“, sagt sie spontan, „Du hast keine feste Buchungen, bist auf keine Route festgelegt und bis die Fluggesellschaft das Ding hier im Griff hat, können locker vier Tage verstreichen.“ Wir bestellen zwei Heinecken und plaudern noch ein wenig. Langsam spüre ich massiv die Müdigkeit, das Jetlag lässt grüßen. Auch Sonja ist erschöpft. Wir verabschieden uns. Ich kann jetzt unter die dicken Federdecke bei meinen Wirtsleuten kriechen, sie muss noch einmal Präsenz bei ihrer Reisegruppe zeigen, bis auch sie Feierabend hat.

2Mai
2006

Landung (30 days 2)


Es gibt kaum Wolken, daher kann ich meinen Fensterplatz in vollen Zügen genießen. Gebannt schaue ich durch das kleine Guckloch und versuche die Landschaft, die unter mir vorbeizieht, in Einklang mit den Landkarten zu bringen, die in meinem Kopf abgelegt sind. Ich erkenne Gießen und Marburg, aber danach gelingt es mir nicht mehr Orte zu identifizieren. Es dauert nicht lange, da zeichnet sich eine Küstenlinie ab und schon liegt das europäische Festland hinter mir. Die nächste Küste naht und dahinter ist ein riesiger grauer Fleck, aus dem winzige Rauchwölkchen aufsteigen, zu sehen. Der Fleck wird größer und größer, ein Geflecht von Linie durchzieht ihn, in der Mitte teilt ihn ein breites geschwungenes Band, die graue Fläche löst sich auf zu kleinen Quadern, die langsam zu Gebäuden mutieren und das teilende Band wird zu einem Fluss, auf dem winzige Schiffe schwimmen. London.

Die Hand einer Stewardess legt sich auf meine Schulter und deutet mir, den Tisch aus der Rückenlehne meines Vordersitzes aufzuklappen. Essensausgabe. „You prefer chicken or pork“, fragt sie mich. Ich entscheide mich für die als Huhn bezeichnete Speise. Das Gemurmel der ein paar Reihen vor mir sitzenden Reisegruppe hat sich deutlich verstärkt. Offensichtlich findet eine lebhafte Diskussion über die Qualität des Essens statt. Ich lasse mir einen Weißwein reichen, esse mein auf der Speisekarte als „Hühnerbrust an zartem Gemüse mit Ofenkartoffel“ ausgewiesenes Mittagessen. Ich esse auch die Süßspeise, die mehr süß als Speise ist. Beim Blick aus dem Fenster sehe ich, dass wir mittlerweile über dem Atlantik schweben.

Kurz nach der Mahlzeit bittet das Bordpersonal, die Fenster zu verdunkeln. Dies ist ein Tagflug. Vancouver ist Frankfurt acht Stunden hinterher. Wir sind Mittags gestartet und werden nach fast zwölf Stunden Flug mit Zwischenstop in Edmonton am Nachmittag in der kanadischen Westküstenmetropole landen. Ein ziemlicher langer Tag ist das also heute. Mit der Hoffnung, während des Fluges etwas schlafen zu können, bin ich heute schon um Fünf aufgestanden, um in Vancouver gut bis zum Abend durchzuhalten und damit das Jetlag schnell auszupendeln. Es gelingt mir tatsächlich etwas einzudösen.

Als ich wieder aufwache, sind drei Stunden vergangen. Vor den Bordtoiletten haben sich kleine Schlangen gebildet. Ich schiebe den Sichtschutz des Fensters ein kleines Stück nach oben, um hinauszuschauen. Grelles Licht fällt hinein. Einen Moment brauchen meine Augen, um sich daran zu gewöhnen. Tief unter uns erstreckt sich eine bizarre Landschaft. Bräunliche Felswände, die von dickem Eis eingepackt sind, sind zu erkennen. Grönland. Der Anblick aus 10.000 Meter Höhe ist fantastisch. Gebannt verfolge ich die kleinen Variationen dieser scheinbar unendlich weiten Landschaft. Irgendwann ist nur noch eine monotone weißgraue Eisfläche zu sehen.

Plötzlich habe ich das Gefühl, dass wir uns im Sinkflug befinden. Das Bordpersonal macht einen etwas unruhigen Eindruck. Es flüstert miteinander und scheint sehr darauf bedacht, dass die Passagiere das nicht mitbekommen. Das Anschnallzeichen erklingt. Die Flugbegleiter gehen die Gänge auf und ab, künden eine wichtige Durchsage des Kapitäns an und ermahnen sehr energisch, die Plätze nicht zu verlassen.

Der Film, der auf der Leinwand im Mittelgang zu sehen ist, wird abgeschaltet. Die Lautsprecheranlage knackt laut. Das Räuspern einer männlichen Stimme hallt durch das Flugzeug. „Sehr geehrte Damen und Herren, hier spricht ihr Kapitän, ich bitte sie um ihre Aufmerksamkeit. Aufgrund eines Computerproblems müssen wir unsere Flugroute ändern. Statt in Edmonton werden wir unseren Zwischenstopp in dem etwas nördlicher gelegenen Inuvik einlegen.“ Die Stimme des Kapitäns ist ruhig und sachlich. Er betont, dass wir nicht entführt worden seien und dass das Flugzeug in einem technisch einwandfreien Zustand ist und daher dieser Stopp keine Notlandung ist. Er erläutert, dass dem Navigationssystem falsche Daten eingespielt wurden und wir uns daher auf einer wesentlich nördlicheren Route als geplant sind, weshalb der Treibstoff nicht bis Edmonton reicht. Nach der Ansage ist es sehr ruhig im Flugzeug. Fünf Minuten meldet sich der Kapitän erneut. Er unterstreicht nochmals, dass kein Grund zur Beunruhigung besteht, dass das Flugzeug keine technischen Probleme hat und dass es nicht entführt ist.

Inuvik, der Name dieses Ortes kommt mir bekannt vor. Ich habe das Gefühl, „etwas nördlicher“ bedeutet in diesem Fall ein paar Tausend Kilometer nördlicher. Langsam wird das Kabineninnere wieder durch gleichmäßiges Murmeln gefüllt. Laut vernehme ich von hinten eine tiefe Stimme, dass dies ein juristisches Nachspiel haben wird. „Det is jo midden in de Arcktisch“, vernehme ich es rechter Hand. Ich schaue hinüber und sehe eine Frau, die ungläubig in ihrem Reiseführer blättert. „Kenne Sorgsche, Schatsch, Kanada is doch a wästlesches Land“, bemerkt der Mann neben ihr mit leicht angespannter Stimme. Der Bass hinter mir beweist ein ausgesprochen ausgeprägtes Rhythmusgefühl, indem er in äquidistanten Abständen die Ankündigung der juristischen Folgen wiederholt.

In der folgenden Stunde ist die Anspannung im Flugzeug deutlich zu spüren. Da wir aber sehr ruhig dahin gleiten und die Kabinencrew eine bemerkenswerte Freundlichkeit bewahrt, kommt es zu keinen wirklichen Turbulenzen unter den Passagieren. Hier und da wird sogar etwas sarkastisch gescherzt. Wir haben mittlerweile deutlich an Höhe verloren und fliegen über eine schier grenzenlose Permafrostlandschaft. Die Stimme des Kaptitäns ertönt erneut und kündigt die Landung an. Ich versuche, eine Ansiedlung zu entdecken, ohne Erfolg. Die Landung ist ganz sanft. Klatschen und Ausatmen ertönen. Langsam rollt das Flugzeug nun durch die weißgräuliche, unwirtliche Landschaft. Dann sehe ich ein Stahlgerüst, was offensichtlich der Tower des hiesigen Flughafens ist. Daneben befinden sich drei einsame Wellblechbaracken.

Ich bin noch keinen halben Tag unterwegs, hatte mich spontan zu einer Weltreise überreden lassen, wollte von Frankfurt, wo endlich der Frühling ausgebrochen war, zunächst nach Vancouver, wo laut Wetterbericht auch der Frühling Einzug hält, um mich von dort ausgehend Richtung Süden weiter aufzuwärmen. Und jetzt sitze ich im Permafrost. Ich kann den Gedanken nicht abschütteln, dass hier gerade etwas schief gelaufen ist.

Abflug (30 days 1)


Die Rolltreppe rollt nach oben und ich rolle mit ihr. The sound of silence erklingt in meinen Ohren, Dustin Hofmann rollt vor meinen Augen in die Reifeprüfung hinein. Eine geradezu ritualisierte Assoziation, die mich an diesem Ort wie programmiert regelmäßig erfasst. Der Ort bietet keine Silence, ich habe mit Dustin Hofmann wohl nicht allzu viel gemein und eine Reifeprüfung steht mir auch nicht bevor. Die Rolltreppe führt vom Tiefbahnhof in die Schalterhalle B des Frankfurter Flughafens. Es ist Dienstag und es ist voll wie immer, daher spielt es keine Rolle, dass heute Dienstag ist. Tausende von Menschen aller Herren Länder rennen kreuz und quer und versuchen sich durch Ansagen beschallt zu orientieren, um mit hunderten von Flügen irgendwo auf der Welt in einer ähnlichen Szenerie zu landen.

Die folgenden zweieinhalb Stunden werden ähnlich nach bekannten Mustern verlaufen. Das beginnt mit dieser nun aufkommenden leichten Hektik in mir, da ich schnell zum Checkin Schalter will, um möglichst einen Fensterplatz zu bekommen. Die Hektik wird durch mein Gepäck gefördert. Im großen Rucksack stecken das Kuppelzelt und der Sturmkocher, das macht mindestens vier Kilo mehr im Vergleich zum Standardgepäck aus, die ich auf den Schultern deutlich spüre. Aber Svashtara meinte, ich sollte jetzt spontan 30 Tage auf Tour gehen und daher habe ich mich für das Expeditionsgepäck entschieden. Die Schnüren des zweiten Rucksacks, der mir als Handgepäck dient, baumeln mir zwischen den Beinen, was mich genauso nervt, wie die das ältere Paar vor mir, was mir innerhalb von zwei Minuten dreimal ihren Gepäckwagen vor meine Füße schiebt. Kurz orientiere ich mich an der Übersichtstafel, wo mein Schalter zum Einchecken ist. Erwartungsgemäß muss ich hinüber zu Terminal 2. Auch die Fahrt mit den Skytrain verläuft nach einem bekannten Muster. Es gibt immer Passagiere, die aus irgendeinem Grund beim Einsteigen oder Verlassen Probleme haben und für einen Moment die Tür blockieren. Die Schlange am Checkin ist kürzer als befürchtet. Die Hektik in mir nimmt wieder ab. Eine viertel Stunde später halte ich den Boardingpass in der Hand, der mir einen Fensterplatz bestätigt. Ich bin zufrieden. Der große Rucksack hat sich in die Katakomben der Gepäckbänder begeben und ich habe jetzt noch knappe zwei Stunden bis zum Abflug zu überbrücken.

Ich schlendere durch die große Halle, bleibe für ein paar Minuten an zwei oder drei Auslagen stehen, um sie zu betrachten. Fünf Minuten später habe ich schon wieder vergessen, was ich da betrachtet habe. Ich habe noch vier Zigaretten einstecken. Auf Reisen rauche ich nicht, aber die Reise hat noch nicht begonnen, also begebe ich mich in eine Raucherzone, zünde mir eine an und rauche im Bewusstsein, nur noch drei zu haben, sehr langsam.

Ich gehe nie zu Mac Donalds, aber auf Fraport gehe ich immer zu Mac Donalds und um auch diesen Ritus einzuhalten, gehe ich zu Mac Donalds. Der obere Bereich des Terminals, wo der Fastfoodgigant residiert, ist von der Geräuschskulisse des Bällchenbades gefüllt. Das Flughafen Mac Donalds ist ein beliebtes Ausflugsziel, regelmäßig werden dort ganze Kindergeburtstag abgehalten. Auch ich fahre mit Kinderbesuch mitunter hier hin. Ich stelle mich in eine der sechs oder sieben Reihen an, die erstaunlich schnell bedient werden. Meine Wahl fällt auf eines, der auf bunten Tafeln angepriesenen Menüs, ich ordere ein Wasser zusätzlich, kann der Bedienung jedoch nicht vermitteln, dass ich das zum Menü gehörende Spielzeug nicht benötige und schenke daher die Plastikteile, dem Kind, das hinter mir steht. Ich finde einen freien Platz an der großen Fensterfront, schau dem Geschehen auf dem Rollfeld etwas zu, esse meinen Burger und meine Pommes mit den Fingern, ziellos wandert zwischendurch mein Blick durch die Reihen der anderen Besucher und bleibt kurz bei zwei Frauen hängen, wahrscheinlich Mutter und Tochter, die in ihrer sehr ähnlichen Attraktivität ein schönes Bild abgeben. Im nächsten Moment bindet das laute Kreischen einer anderen Mutter meine Aufmerksamkeit, die wiederholt ein Mädchen im Vorschulalter anschreit, sie möge „ihren beschissen Burger auffressen“.

Nach einer halben Stunde verlasse ich Mac Donalds, rauche die zweite Zigarette und begebe mich durch die Passkontrolle zu den Gates. Die Uhr sagt, dass immer noch fast eine Stunde Zeit bis zum Abflug ist. Das Zeittotschlagprogramm wird fortgesetzt. Zwei Dutyfreeshops, ein Zeitschriftenladen und eine weitere Raucherzone beschäftigen mich für weitere 30 Minuten, danach begebe ich mich in den Wartebereich des Gates, der schon halb gefüllt ist. Mir gegenüber sitzt ein Pärchen, beide etwa Mitte Zwanzig. Sie blättert in einem Kanada-Reiseführer, er hat ein Laptop auf seinen Oberschenkeln postiert und bearbeitet die Tastatur mit starren Blick energisch. In der Zeit bis zum Boarding versucht sie mindestens fünfmal ihn anzusprechen, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen, er reagiert praktisch gar nicht, tippt weiter mit unverändert starren Blick auf das Laptopdisplay, auch als sie ihren Arm auf seine Schultern legt. Ihr nettes Gesicht wird immer finsterer. Ich glaube, die werden einen tollen Urlaub haben. Eine große Reisegruppe hat sich eingefunden und belagert ihre Reiseleiterin. Parallel wird sie offensichtlich mit vier oder fünf Fragen gleichzeitig bombardiert. Die Uhr zeigt nun die offizielle Boardingzeit an, was prompt zu einer Rudelbildung am Ausgang führt, obwohl noch kein Aufruf erfolgt ist. Ich verlasse den Wartebereich, um die Toilette aufzusuchen und die letzte Zigarette zu rauchen. Kurz nach mir findet sich die Reiseleiterin in der Raucherzone ein. Sichtbar genervt steckt sie sich hastig eine Zigarette an und inhaliert tief. Kurz treffen sich unsere Blicke, ich versuche sie anzulächeln, sie lächelt zurück. Jetzt ertönt die Ansage, dass mit dem Boarding meines Fluges nach Vancouver begonnen wird.

Eine halbe Stunde später rolle ich vorbei an Terminal 1, den langen Lufthansafinger, der großen Wartungshalle und den Tankanlagen zur Startbahn West. Nach einem kleinen Stopp heulen die Turbinen auf, die Boing beschleunigt, ich bin auf das Fenster fixiert, sehe wie wir über den Wald abheben, suche bekannte Punkte am Boden, erkenne die Autobahn und Darmstadt. Die Maschine setzt zu einer weiten Linkskurve an und ändert ihre Richtung um 180 Grad nach Norden. Die Reise hat begonnen.
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Oliver (Gast) - 14. Aug, 11:46
Ente gut, alles gut...
...so sieht's aus. Ein paar Bilder aus'm Schlachthof...
heldentenor - 16. Sep, 17:43
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ich glaube, dies ist ein veganerblog hier. gestern...
rosmarin - 31. Jul, 19:52
ok.... ich hab in meiner...
ok.... ich hab in meiner verzweiflung versucht, in...
rosmarin - 23. Jul, 01:05
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2005-11-21 19:44

Zuletzt aktualisiert:
6. Dez, 03:25

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